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Akupunktur

Aus dem umfassenden Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Akupunkturbehandlung im Westen sicherlich die bekannteste Therapie. Weniger bekannt ist, dass in China selbst die Akupunktur schon immer eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat. In etwa 80% der Erkrankungen werden in China andere Therapieverfahren – wie die chinesische Arzneimitteltherapie, die Tui-na-Therapie (manuelle Therapie), die chinesische Diätetik (Ernährung und Lebensführung) und Qigong (Meditative Bewegungsübungen) – angewendet.

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über die Akupunktur finden sich im ungefähr 4700 Jahre alten Huang Di Nei Jing (dem Klassiker des Gelben Kaisers). Von diesem Buch wird gesagt, dass es das älteste medizinische Fachbuch der Welt darstellt. Die Grundlage der Akupunktur ist die Vorstellung einer Energie (Qi), die durch den gesamten Körper fließt. Dieser Fluss findet nicht ungeordnet statt, sondern das Qi bewegt sich in einem Netzwerk von Leitbahnen (Meridianen) und durchzieht so jeden kleinsten Anteil des Körpers.

Leitbahnen im Körper

Diese Leitbahnen verbinden sowohl das Körperinnere mit der Körperoberfläche als auch die Organe im Inneren untereinander. Es gibt eine Vielzahl von beschriebenen Leitbahnen, von denen jedoch die zwölf regulären und die acht außerordentlichen Leitbahnen eine übergeordnete Bedeutung haben. Die Akupunkturpunkte selbst sind Punkte auf diesen Leitbahnen, an denen das Qi relativ nahe an der Körperoberfläche in den Leitbahnen fließt. Durch das Einstechen von feinen Stahlnadeln kann das Qi an diesen Punkten in besonderer Weise beeinflusst werden. Ein häufig mit der Akupunktur zusammen angewendetes Verfahren der chinesischen Medizin stellt die Moxibustion dar. Hier wird durch das Abbrennen von Beifuß-Kraut an den Akupunkturpunkten Wärme erzeugt, die ebenfalls einen Einfluss auf das Qi in den Leitbahnen ausüben soll. Welche Vorstellung haben nun die Chinesen von der Entstehung einer Krankheit?

Chinesische Weisheiten und Überlieferungen

Solange das Qi in den Leitbahnen ungestört fließen kann, herrscht Gleichgewicht und der Mensch ist gesund. Wenn die Leitbahnen durch eine Verstopfung, einen Mangel oder einen Überschuss an Energie jedoch ins Ungleichgewicht kommen, resultieren aus diesem Ungleichgewicht Krankheiten. Akupunktur kann dieses Gleichgewicht wieder herstellen.

Yin und Yang ist eine wichtige Theorie in der Diskussion der Akupunkturbehandlung.

Wie bereits erwähnt, ist das Qi eine Energie, die durch den gesamten Körper fließt. Zusätzlich zeigt sich Qi in der gesamten Natur. Qi hat wie alle Phänomene in dieser Welt zwei Aspekte, Yin und Yang. Yin und Yang sind entgegengesetzte Kräfte, die, wenn Sie in Balance sind, zusammenarbeiten. Jegliche Störung dieser Balance führt zu Extremen (in der Natur beispielsweise Naturkatastrophen und bei Menschen zu Erkrankungen). Yin steht für das weibliche, passive, dunkle, kalte, feuchte Prinzip. Yang steht für das männliche, helle, aktive, warme und trockene Prinzip.

Kein Phänomen in dieser Welt ist vollständig Yin oder Yang. Am deutlichsten wird dieses Beispiel am Menschen selbst: Ein Mensch ist die Kombination seiner Mutter (Yin) und seines Vaters (Yang). Er enthält die Qualitäten von beiden. Das Symbol des Kreises mit den ineinander fließenden schwarzen und weißen Anteilen beschreibt diesen konstanten Fluss der Yin und Yang-Energien. Sie werden feststellen, dass im Yin auch Yang und im Yang auch Yin enthalten ist.

Mit Nadeln aus Edelstahl

Um nun das Qi in den Leitbahnen zu beeinflussen, kann der Akupunkteur auf verschiedene Arten von Nadeln zurückgreifen. Meist werden heute in Europa scharfgeschliffene Edelstahlnadeln zum Einmalgebrauch verwendet. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Schulen der Akupunktur. In China wird meist die Körperakupunktur durchgeführt, während in Korea beispielsweise die Handakupunktur weit verbreitet ist. In Europa hat sich auch die Ohrakupunktur stark entwickelt. Das Stechen ohne Nadeln, die Akupressur, ist ebenfalls weltweit sehr verbreitet. Hierbei werden die Akupunkturpunkte ebenfalls gezielt stimuliert, jedoch ohne die Haut zu verletzen.

Hauptanwendungsbereiche der Akupunktur

Weltweit werden zahlreiche Erkrankungen mit Akupunktur behandelt. Die WHO hat bisher rund 40 Indikationen offiziell ausgewiesen, bei denen die Akupunktur erfolgreich angewendet werden kann. Diese Anwendungsgebiete umfassen verschiedene Erkrankungen des Atemtraktes (Erkältungskrankheiten, Mandelentzündung, Bronchitis, Asthma (besonders bei Kindern)), Augenerkrankungen (Bindehautentzündung, Grauer Star), Störungen des Mundes (Zahnschmerzen, Zahnfleischentzündung), Störungen des Magen-Darmtraktes (Gastritis, Schmerzbehandlung bei Magengeschwür, Colitis, Verstopfung, Durchfall), sowie Schmerzsyndrome und neurologische Krankheiten (Kopfschmerzen, Trigeminusschmerz, Schwindel, Wirbelsäulenschmerz).

Dadurch, dass in Deutschland die Akupunktur überwiegend durch Erfolge im Bereich der Schmerzbehandlung bekannt geworden ist und hier häufig von Schmerztherapeuten eingesetzt wird, haben sich die zahlreichen anderen Anwendungsgebiete der Akupunktur noch immer nicht richtig herumgesprochen. Außer bei den von der WHO vorgeschlagenen Erkrankungen lassen sich, wie sich in der Praxis zeigt, auch Krankheiten des allergischen Formenkreises, Nervosität, Depression, Unruhe und zahlreiche andere Störungen mit Akupunktur behandeln.

Beim Einstich der Nadel sollte der Patient eine Reaktion verspüren. Diese Reaktion, die in der chinesischen Medizin als DeQi-Gefühl beschrieben wird, kann in einer unterschiedlichen Ausprägung vorhanden sein. Manche Patienten beschreiben ein elektrisches Phänomen, ein Taubheitsgefühl oder einen leichten, dumpfen Schmerz. Diese Reaktionen sind therapeutisch erwünscht und für den Erfolg der Akupunkturbehandlung von entscheidender Bedeutung.

Als Fazit kann gesagt werden, dass die Akupunktur ein sehr wirksames therapeutisches Mittel in der Hand des Arztes ist, falls sie korrekt durchgeführt wird.

Autor:

Dr. Bolz
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