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Heliotherapie / Lichttherapie

Schon länger ist bekannt, daß helles, weißes Licht ab 2500 Lux (Beleuchtungsstärke) beim Menschen als Zeitgeber wirkt und die körpereigenen Rhythmen (z. B. Hormonproduktion, Körpertemperatur, Schlaf - Wach - Rhythmus) nachhaltig beeinflußt. Die normale Raumbeleuchtung hat aber nur etwa 500 Lux. In der Folge verstärkt sich von Oktober bis März der Lichtmangel, unter dem viele Menschen in den Industrienationen chronisch leiden.

Dann kann sich eine „Winterdepression“ mit Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit, verringerter Leistungsfähigkeit und verschiedenen körperlichen Symptomen entwickeln.

Lichttherapien mit Beleuchtungsstärken bis zu 10 000 Lux können hier mit einer „Extradosis Licht“ helfen.

Die Lichttherapie kann bei folgenden Krankheitsbildern gut therapeutisch eingesetzt werden:

  • Saisonal abhängige Depressionen, „Winterdepression“
  • Prämenstruelles Syndrom, „Tage vor den Tagen“
  • Schlafstörungen, „Schichtarbeiter-Syndrom“

Die Lichttherapie kann auch Gesunden helfen, Stimmung und Leistungsfähigkeit in der dunklen Jahreszeit zu verbessern.

Wir bieten Ihnen die Lichttherapie hier in der Praxis an; die Therapiedauer beträgt 30 Minuten, mit einem günstigen Effekt kann nach 5 - 10 Sitzungen gerechnet werden.

Wie kann man sich gegen eine Winterdepression wappnen?

Die Wissenschaft spricht von einer medizinisch-psychischen Tatsache und keinesfalls von Einbildung. Nahezu jeder Fünfte hierzulande ist gefährdet. Die sogenannte SAD-Krankheit - die Abkürzung für saisonal abhängige Depression, als Wortspiel in Verbindung gebracht mit dem englischen Wort "sad" für "traurig, betrübt" - bezeichnet die leichte Form einer Depression, ein jahreszeitlich bedingtes Stimmungstief. Die Symptome sind vielfältig. Die körperlichen stellen sich meist prompt ein.

Typische Beschwerden sind bleierne Müdigkeit, Heißhunger auf Süßes und Kohlenhydrate, sinkende Lust auf Sport und sexuelle Aktivität, außerdem Konzentrationsstörungen. Zu den psychischen Auswirkungen zählen vor allem Antriebslosigkeit, Bedrücktheit, Abkapselung und eine destruktive Grundeinstellung. Leib und Seele wirken wie von Bleigewichten beschwert. Mangels Auftrieb wollen sich die SAD-Betroffenen am liebsten im Bett verkriechen und grüblerisch trüben Gedanken nachhängen. Trotz eines stark erhöhten Schlafpensums, das der Körper erzwingt, verharrt er in einem unüberwindlichen Erschöpfungszustand.

Die Medizin vertritt die Meinung, dass die Hormonbalance aus dem Lot geraten ist. Ursache ist der jahreszeitlich bedingte Lichtmangel durch kürzere Tage und den meist bedeckten Himmel. Davon beeinträchtigt, verändert sich die Hormonausschüttung und behindert den störungsfreien biochemischen Prozess im Gehirn. Alle Informationen, die unsere Sinneszellen von der Umwelt empfangen, werden als Reizinformation von Nervenzelle zu Nervenzelle an das Gehirn weitergeleitet. Zwischen den einzelnen Nervenzellen besteht ein sogenannter synaptischer Spalt. Damit der Reiz in Form eines elektrischen Impulses über diesen Spalt hinweg weitergeleitet wird, bedarf es biochemischer Botenstoffe (Neurotransmitter). Sie lösen bei der nachfolgenden Nervenzelle erneut einen elektrischen Impuls aus und setzen so die Reizaktivität fort.

Einer der Botenstoffe, das Hormon Serotonin, häufig als Glückshormon bezeichnet, ist bei einer Depression in zu niedriger Konzentration vorhanden. Das "schlechte-Laune-Hormon" Melatonin wird vermehrt ausgeschüttet und die Reizübertragung wird verhindert. Das schlägt auf unser Gemüt. Die meisten chemischen Antidepressiva setzen bei diesen Neurotransmittern an, um die Stoffwechselbalance im Gehirn wiederherzustellen.

Keineswegs zwingt eine Winterdepression zur Einnahme chemischer Medikamente. Um eine leichtere Form der SAD zu lindern, bzw. einer Erkrankung vorzubeugen, gibt es diverse alternative Heilmethoden:

  • Das Johanniskraut - es hat in den letzten Jahren enorm an Popularität gewonnen und gilt unter den pflanzlichen Heilmitteln als Nummer 1 gegen Depressionen leichteren und mittleren Grades. Es kann ohne ärztliches Rezept eingenommen werden, da Nebenwirkungen verschwindend gering sind. Die Annahme, dass Naturheilmittel einerseits sanfter, in ihrer Wirkung daher aber viel schwächer sind, ist hier nicht berechtigt. Häufig ist der Effekt chemisch hergestellter Arzneimitteln gleichzusetzen
  • Da Lichtmangel als Hauptverursacher für SAD angesehen wird, sollte man dieses Übel einfach an der Wurzel packen. "Raus ins Freie" lautet die Devise, täglich mindestens für eine Stunde - am besten in der Mittagszeit. Auch an düsteren Wintertagen ist die Lichtmenge tagsüber unter freiem Himmel viel höher als in einem gut ausgeleuchteten Innenraum. Es ist günstig, auf eine gleichmäßig helle Raumbeleuchtung zu achten.
  • Körperhaltung ist Geisteshaltung! "Niedergeschlagenheit und Bedrücktheit", diese Symptombeschreibungen wörtlich genommen, sagen schon viel über unsere Körperhaltung bei der SAD aus. Deshalb bewusst die Schultern straffen, bewusst das Kinn heben und lächeln, bewusst sich aufraffen und Sport treiben. Dies sollte zwar am besten im Freien stattfinden, doch auch in der Wohnung hilft schon eine halbe Stunde täglich auf dem Heimtrainer zu radeln.
  • "Seelentröster" im Ernährungsbereich sind allen voran reife Bananen. Diese enthalten viel Kalium und Kohlenhydrate, die den Serotoninspiegel anheben. Auch Avocado, Feldsalat, Rosenkohl, Tomaten, Broccoli und Nüsse können unser Gemüt wieder aufmuntern.
  • Etwas ungewöhnlich ist die "Poetry-Therapy". Gemeint ist damit, seiner inneren Stimme Gehör zu schenken, sich die derzeit düsteren Gedanken zu vergegenwärtigen und sie zu Papier zu bringen - sich den Frust regelrecht von der Seele zu schreiben. In den Staaten ist diese Therapie momentan "in", ihre Heilerfolge sind bereits wissenschaftlich erwiesen.
Aus der "Rheinischen Post", Donnerstag, 15. Oktober 1998:

Viel Licht gegen die Depression

HALLE (dpa). Etwa fünf Prozent der Deutschen leiden nach Expertenangaben unter saisonabhängigen depressiven Stimmungen. Genügend Licht könne dagegen helfen, die Stimmung zu steigern, sagte Sigrid Göllnitz, Beratungsärztin bei der AOK in Halle. Grund für die tiefe Stimmung im Herbst sei das Hormon Melatonin. Die Menge des ausgeschiedenen Hormons hänge von der Helligkeit ab.

"Deshalb ist man an sonnigen Tagen meist auch besser drauf", erläuterte die Medizinerin. Den grauen Tagen im Herbst und Winter im sonnigen Süden aus dem Weg zu gehen, sei indessen für die wenigsten eine Lösung. Helligkeit tanken, laute deshalb die Devise für die Daheimgebliebenen. "Man sollte jede freie Minute nach draußen gehen, da ist es immer noch heller als im Raum", erläuterte Göllnitz. Regelmäßige Spaziergänge regten zudem den Kreislauf an und sorgten so schon für bessere Stimmung.

Ein bunter Blumenstrauß

Wer zu Herbst- oder Winterdepressionen neige, solle außerdem seine Räume möglichst hell gestalten. Auch eine sogenannte LICHTTHERAPIE könne helfen. Dabei sollte sich der Betroffene zwei Stunden täglich vor eine Lichtquelle setzen und hineinschauen. Über die in der Netzhaut befindlichen Rezeptoren werde die Ausschüttung von Botenstoffen und Hormonen günstig beeinflußt.

Ab und zu sollten sich die Menschen in der grauen Jahreszeit einen bunten Blumenstrauß gönnen und in der Kleidung Mut zur Farbe zeigen, statt sich dem Grau in Grau anzupassen, riet die Expertin. "Auf keinen Fall sollte schlechte Stimmung mit Pillen und Tabletten bekämpft werden", warnte Göllnitz.

Eher könnten Johanniskrautpräparate auf Naturbasis über ein momentanes seelisches Tief hinweghelfen. Wer über mehrere Wochen depressiv sei und den Alltag gar nicht mehr bewältige, sollte zum Arzt gehen, sagte Göllnitz.

Autor:

Dr. Bolz
Hauptstr. 62
45549 Sprockhövel
www.praxis-bolz.de