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Pollenallergie

Es wird Frühling! Die Tage werden länger, und die Natur blüht wie jedes Jahr von neuem auf. Doch nicht für jeden sind die dadurch ausgelösten "Frühlings-Gefühle" rein romantischer Natur: immer mehr Menschen reagieren allergisch auf Pollen, die nun besonders bei schönem Wetter in er Luft sind. Sie leiden nach dem Kontakt mit Pollen unter Heuschnupfen oder unter allergischem Asthma.

Während noch vor 50 Jahren nur etwa jeder fünfzigste Mensch Allergiker war, ist heute in Deutschland etwa jeder Dritte bis Vierte betroffen - mit steigender Tendenz.

Heuschnupfen: die häufigste Allergie

Besonders oft gibt es Pollenallergien. Dabei reagiert der Körper auf den Kontakt mit harmlosen Baum- oder Gräserpollen, die ja im Frühjahr und Sommer in der Luft reichlich vorhanden sind.

Wie kommt es zu dieser Reaktion? - Um sich vor gefährlichen Mikroorganismen wie Bakterien oder Viren zu schützen, verfügt unser Körper über ein kompliziertes Abwehrsystem: Spezialisierte Immunzellen kontrollieren die möglichen Eintrittspforten und schlagen Alarm, wenn sie dort fremde Eiweiße entdecken. Ein kompliziertes Gefüge wie das Immunsystem bietet jedoch auch viele mögliche Fehlerquellen. Und so kommt es vor, dass völlig harmlose Pollenkörner für eine gefährliche Invasion von Mikroorganismen gehalten werden und eine Abwehrreaktion startet. Je nachdem, in welchem Organ der "Eindringling" - also der Pollen - vom Abwehrsystem des Körpers entdeckt wird, können die Betroffenen verschiedene allergische Erkrankungen entwickeln.

  1. Heuschnupfen: Eine allergische Reaktion der Nasenschleimhaut (Fachbegriff: allergische Rhinitis). Die Betroffenen niesen, ihnen juckt und trieft die Nase oder sie ist verstopft.
  2. Allergisches Asthma: Hier reagiert die Schleimhaut der Bronchien. Um die Lungenbläschen vor den vermeintlichen Eindringlingen zu schützen, werden die Bronchien enger und lassen weniger Luft durch. Deshalb bekommen die Betroffenen plötzlich Atemnot. Wegen der Reizung der Bronchialschleimhaut müssen sie auch viel husten, was häufig nicht als Asthma erkannt wird.
  3. Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Durch den Kontakt der Pollenkörner mit der Bindehaut des Auges kommt es auch dort zur Entzündung: die Augen jucken, tränen und werden rot.
  4. Neurodermitis (atopisches Ekzem): In seltenen Fällen kann auch die Haut auf den Kontakt mit Pollenkörnern mit Rötungen und Juckreiz reagieren. Allerdings verursachen an der Haut zumeist andere Stoffe die Allergien.
Bei vielen Allergiepatienten sind auch mehrere Organe betroffen. Daher können die verschiedenen allergischen Erkrankungen auch gleichzeitig bestehen oder sich nacheinander entwickeln.

Leider ist nur jeder zehnte Allergiker medizinisch gut versorgt. Viele Betroffene leiden still unter ihren Beschwerden. Doch tapferes Durchhalten ist hier fehl am Platz, denn das kann zu Folgeschäden führen: auch aus einem banalen Heuschnupfen kann sich nämlich ein Asthma entwickeln. Jede Überempfindlichkeit erhöht das Risiko für die Entwicklung einer weiteren allergischen Erkrankung. Und: hat man erst einmal eine Allergie gegen einen Stoff, zum Beispiel gegen Birkenpollen, dann ist auch das Risiko gegen andere Stoffe allergisch zu werden, erhöht.

Behandlung heißt immer mehr als nur Symptome lindern

Je länger die Erkrankung besteht, desto schwerer lässt sie sich zudem behandeln. Deshalb fordert auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, Allergien möglichst früh zu behandeln, um eine Verschlimmerung und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Behandlung sollte dabei nicht nur die Symptome lindern, sondern auch die Entzündung hemmen. Beim Heuschnupfen sind dazu Medikamente mit verschiedenen Wirkprinzipien erhältlich:
  1. Cromoglicinsäure: sie wird grundsätzlich am Ort der allergischen Entzündung angewendet. Es gibt sie als Augentropfen, Nasen- und Asthmaspray. Wegen ihrer guten Verträglichkeit wird sie besonders für Kinder empfohlen
  2. Antihistaminika: sie sind die bei Heuschnupfen am häufigsten eingesetzte Medikamentengruppe. Bei leichten Symptomen kann die Behandlung mit Augentropfen oder Nasenspray erfolgen. Wenn die Beschwerden sich nicht ausreichend bessern, oder auch mehrere Organe betreffen, sollte die Therapie mit Tabletten erfolgen. Früher hatten Antihistaminika den Nachteil, dass man nach der Einnahme müde wurde. Bei den neueren Antihistaminika die es zum Teil auch ohne Rezept in der Apotheke gibt, besteht dieses Problem nicht mehr.
  3. Für die schwereren Fälle gibt es auch Cortison-Präparate, die vom Arzt verschrieben werden müssen. Als Nasenspray angewendet sind sie sehr wirksam und frei von schweren Nebenwirkungen. Die durch Cortison-Tabletten entstandene Angst vor dem Hormon, das der menschliche Körper in den Nebennieren selbst bildet, sollte nicht auf die nur an der Schleimhaut wirkenden lokalen Sprays übertragen werden.
  4. Naturheilkundliche Heilverfahren bringen häufig Linderung oder Heilung bei Allergien. Akupunktur wird zur Vermeidung und Verbesserung der asthmatischen Beschwerden eingesetzt. Vor allem Kinder profitieren von der Akupunktur. Weitere ausleitende Verfahren (Blutegel, Schröpfen) eignen sich bei bestimmten Formen der Allergie, wie auch Eigenbluttherapie mit naturheilkundlichen oder homöopathischen Zusatzstoffen. Fragen Sie uns danach!
Ist der Heuschnupfen durch solche Maßnahmen nicht zu lindern, ist es sinnvoll, auszutesten auf welche Allergene der Patient reagiert. Bei den meisten Pollenallergien lassen sich mit einer so genannten Hyposensibilisierung die Beschwerden mindern oder sogar ganz beseitigen. Dabei werden kleine Mengen des Allergens unter die Haut gespritzt. Das Immunsystem lernt so, auf diese Pollen nicht so heftig zu reagieren. Eine solche Behandlung wird in der Regel nur gemacht, wenn die entsprechenden Pollen gerade nicht fliegen - also meist im Winter. Es gibt aber auch noch die Möglichkeit der Schnell-Hyposensibilisierung. Ob das für Sie jetzt noch in Frage kommt, kann Ihr Arzt klären. Wenn die Diagnose erst einmal gesichert ist und der Allergie-Auslöser genau bestimmt wurde, ist es auch einfacher, sich vor ihm zu schützen. Und der Frühling kann kommen!

TIPP: Zink gegen Allergie

Heuschnupfen-Geplagte können mit Zink-Tabletten ihre Symptome lindern. Zink verbessert nicht nur allgemein das Immunsystem, sondern verhindert auch, dass allergieauslösende Botenstoffe aus Abwehrzellen (Mastzellen) freigesetzt werden. Besonders gut funktioniert Zink als Allergie-Mittel, wenn es mit Histidin kombiniert wird, da Histidin die Zink-Aufnahme verbessert und entzündungshemmend wirkt.

Wie Sie gut durch die Pollensaison kommen

Für Menschen mit einer starken Allergie auf Pollen kann zur Zeit des stärksten Pollenflugs auch die "Flucht" in weniger pollenbelastete Gebiete sinnvoll sein. Dazu eignen sich Gebiete, in denen die Pflanze, auf deren Pollen man allergisch reagiert, nicht wächst. So fühlen sich zum Beispiel auf den Kanarischen Inseln Allergiker meist sehr wohl, weil dort die Vegetation anders ist als bei uns und das Meeresklima generell von Allergikern als angenehm empfunden wird. Wer nicht so weit verreisen will, sollte die Nordsee oder die Ostsee als Urlaubsziel einplanen. "Ferien auf dem Bauernhof" sind dagegen für Allergiker wegen der zusätzlichen Belastung mit allergieauslösenden Stoffen eher ungünstig.

Wer in hiesigen Breiten so gut wie möglich den Pollen aus dem Weg gehen will, sollte sich einige Tipps zu Herzen nehmen:
  • bei geschlossenem Fenster schlafen, damit die Pollen nicht über Nacht hereinströmen (besonders in den frühen Morgenstunden ist die Pollenbelastung der Luft groß)
  • den Tagesrhythmus auf die Pollenhöchstwerte einstellen, zum Beispiel lüften, wenn der Pollenflug gering ist.
  • Kleider, die man tagsüber getragen hat, sollten nicht im Schlafzimmer ausgezogen und auch dort nicht hingelegt werden, damit sich die Pollen nicht im Schlafzimmer verbreiten.
  • Vor dem Schlafengehen sollten die Haare ausgespült werden. Das reduziert die Pollenbelastung im Bett.
  • Die Pollenbelastung ist in der Regel auf dem Land in den frühen Morgenstunden am höchsten, dagegen tritt in der Stadt die Hauptbelastung erst abends auf.
  • Spaziergänge, besonders durch Wiesen und Getreidefelder, sowie Sport im Freien einschränken.
  • Der Rasen vor dem Haus sollte möglichst kurz gehalten werden. Besser noch ist es, auf allergielauslösende Bepflanzung zu verzichten.
  • Für das Auto gibt es spezielle Pollenfilter.
  • Wer seine Kinder wirklich schützen will, sollte dort, wo sie sich aufhalten, nicht rauchen. Denn es wird vermutet, dass auch das Passivrauchen bei Säuglingen und Kleinkindern die Pollenallergien fördert.

Unvermutete Gefahr - Kreuzallergie

Leiden Sie alljährlich unter Heuschnupfen, wenn die Birken ihre Pollen fliegen lassen? Und haben Sie Weihnachten das Haselnuss-Gebäck nicht vertragen? Oder bitzelt Ihnen, nachdem Sie einen Apfel gegessen haben, die Lippe oder der Gaumen? Das könnte mit Ihrem Heuschnupfen zusammenhängen, auch wenn es sich weit hergeholt anhört. Denn es gibt das Phänomen der Kreuzallergie: Das klassische Beispiel dafür ist die Birkenpollen-Allergie und die gleichzeitige Unverträglichkeit von Äpfeln oder Haselnüssen. Ursache für die Kreuzallergie ist, dass die allergieauslösenden Stoffe, die so genannten Allergene, von einigen Pollen und von bestimmten Nahrungsmitteln ganz ähnlich konstruiert sind.

Das bedeutet, der Betroffene reagiert "über Kreuz", weil die ähnlichen Eiweißstoffe die gleiche Reaktion im Körper auslösen - nur an einem anderen Organ.

Unter Umständen wird die Kreuzallergie lebensgefährlich: so können auch ein allergischer Schock oder ein schwerer Asthma-Anfall durch eine Kreuzallergie ausgelöst werden.

Meist werden nur rohe Nahrungsmittel nicht vertragen. Werden die Äpfel gekocht, gibt's meist kein Problem mehr. Wissen die Betroffenen um die Zusammenhänge, lassen sich die bedenklichen Lebensmittel leicht vermeiden. Doch man kann bekanntlich nicht alles wissen. Kaum jemand, der auf Beifuß allergisch ist, rechnet damit, dass er Curry-Pulver nicht verträgt. Noch weniger hat der Mann, der im Zoo von einem Affen gebissen wurde und daraufhin einen allergischen Schock bekam, daran gedacht, dass dies an seiner Latex-Allergie liegt. Hier gibt's nämlich eine Kreuzallergie mit Bananen und der Affe hatte vor seiner Attacke die gelben Dinger gefrühstückt.

Allergene Kreuzallergene
Bei Allergien auf Birke, Erle und Hasel ist meist auch eine Unverträglichkeit festzustellen bei: Kernobst (Apfel, Birne), Steinobst (Pflaume, Pfirsich, Aprikose), Haselnuss, Walnuss, Erdnuss, Mandel, Kiwi, Curry, Anis und weiteren Gewürzen
Eine Beifuß-Allergie ist häufig verbunden mit einer Allergie gegen: Sellerie, Mohrrübe, Paprika, Knoblauch, Kamille, Curry, Anis, Muskat, Pfeffer, Ingwer, Zimt und viele weitere Gewürze
Wer allergisch ist auf Gräser und Roggen, sollte sich ebenfalls fern halten von: Sojamehl, Getreidemehl und Erdnüssen

Selbsthilfe bei Kreuzallergien

  • rohes Obst oder Gemüse durch gekochtes ersetzen.
  • Bei allergischen Reaktionen auf Äpfel und Birnen mit verschiedenen Sorten experimentieren.
  • Statt zu häufig allergieauslösendem Kern- oder Steinobst zu Beeren greifen (Himbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren)
  • Unverträgliche frische Kräuter durch getrocknete ersetzen
  • Durch abwechslungsreiche Ernährung dem Allergierisiko vorbeugen

Pollenflugkalender

Hauptblüte

Vor- und Nachblüte

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Birke










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Weizen











Linde










Straußgras










Glatthafer










Kammgras










Gänsefuß










Mais










Beifuß










Autor:

Dr. Bolz
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45549 Sprockhövel
www.praxis-bolz.de