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Verstopfung – eine Zivilisationskrankheit?

Die Vorstellungen über Verstopfung sind vielfältig, denn jeder beurteilt dies nach seinen Stuhlgewohnheiten. Groß sind die individuellen Unterschiede: Während manche nur einmal in drei Tagen eine Stuhlentleerung haben und diese Häufigkeit als normal empfinden, ist für andere der Toilettengang zweimal täglich die Regel. Zwei Extreme – aber in beiden Fällen ist die Verdauung völlig normal.

Eine Verstopfung oder Obstipation hat tatsächlich nur derjenige, der weniger als einmal in drei Tagen das „stille Örtchen“ aufsucht. Dabei ist der Stuhl meistens hart und die Menge klein. Nicht selten bereitet die Entleerung sogar Schmerzen. Klappt es mit der Verdauung nicht richtig, kommt häufig das Gefühl einer unvollständigen Entleerung hinzu. Ein unangenehmes Völlegefühl wird verspürt: ein „dicker und voller Bauch“. Das allgemeine Wohlbefinden leidet beträchtlich darunter.

Ernsthafte Erkrankungen, wie etwa Darmerkrankungen oder Schilddrüsenfunktionsstörungen, kommen zum Glück nur selten als Ursache für eine Verstopfung in Frage. In solchen Fällen ist selbstverständlich eine ärztliche Behandlung notwendig.

In den meisten Fällen ist es hingegen unsere moderne, für uns angenehme Lebensweise, die Verdauungsstörungen verursacht. Wir trinken viel zu wenig, weit weniger als die empfohlenen zwei bis drei Liter pro Tag. Auch essen wir zu viel der „guten Dinge“, die jedoch dem Darm gar nicht so gut schmecken. Unserer Nahrung fehlen häufig Ballaststoffe, die für den Verdauungsvorgang wichtig sind.

Wer nur verfeinerte Kost zu sich nimmt – Weißbrot, Süßigkeiten und Fleisch – wird vom Darm mit einer zu geringen, harten Stuhlmenge bestraft. Außerdem sitzen wir viel und bewegen uns kaum, was dazu führt, daß auch unser Darm „träger“ wird. Ein weiterer Faktor kommt hinzu: die Zeitnot. Morgens wird es meist spät, wir frühstücken hastig oder gar nicht. Erst recht lassen wir uns keine Zeit mehr für eine Toilettensitzung. Meldet sich der Darm, wird der Stuhlgang unterdrückt. Die Folge ist Verstopfung.

Wie die Verdauung funktioniert

Unser Körper braucht vielerlei Nährstoffe, die er sich aus der Nahrung holt. Diese werden mit Hilfe von Enzymen durch die „Verdauung“ freigesetzt. Die Verdauung startet bereits im Mund, während die Speisen gekaut werden: Ein im Speichel enthaltenes Enzym beginnt Kohlenhydrate (Zucker, Stärke) in ihre Bausteine aufzuspalten. Über die Speiseröhre gelangt dann der Speisebrei in den Magen, wo die Eiweißverdauung eingeleitet wird. Im Dünndarm werden Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate schließlich in ihre Grundbausteine zerlegt und über den Blutweg den einzelnen Organen zugeführt.

Was der Körper nicht verwerten kann, landet im Dickdarm. Hier können einzelne, unverdaute Nahrungsbestandteile noch von Bakterien, die den Darm normalerweise besiedeln und als natürliche Darmflora bezeichnet werden, abgebaut werden. Nach Salz- und Wasserentzug wird aus dem verbleibenden Rest der Stuhl geformt und ausgeschieden.

Die Art der Nahrung spielt beim Verdauungsvorgang eine wichtige Rolle. Wer viel faserreiche Kost ißt, wird mit der Darmtätigkeit weniger Probleme haben. Die für den Menschen unverdaulichen Ballaststoffe füllen den Dickdarm und halten Wasser fest. Der Stuhl trocknet nicht so sehr aus. Er ist voluminös und weich, die Entleerung dadurch problemlos.

Was kann man für die Verdauung tun?


1. Machen Sie abwechslungs- und ballaststoffreiche Kost zu Ihrem Favoriten

Vollkornprodukte, Naturreis, Hülsenfrüchte, frisches Gemüse und Obst enthalten nicht nur wertvolle Vitamine, sondern sind auch gute Faser-Lieferanten. Sie sollten regelmäßig auf Ihrem Speisezettel stehen. Beim Brot sind grob gemahlene Sorten, beispielsweise Vollkornbrot, Pumpernickel oder Leisamenbrot zu bevorzugen. Es empfiehlt sich, vor dem Frühstück ein Glas Wasser oder frischgepreßten Fruchtsaft zu trinken. Nicht zu vergessen: Essen Sie regelmäßig und lieber öfter kleine Portionen als ein oder zwei „volle“ Teller.


2. Trinken Sie viel

Trinken Sie am Tag mindestens zwei Liter Mineralwasser, ungesüßte Fruchtsäfte o. ä. zusätzlich zum gewohnten Tee oder Kaffee. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr – zusammen mit ballaststoffreicher Kost – sind die besten Voraussetzungen für eine gute Darmtätigkeit. Eine hinreichende Menge an Flüssigkeit ist natürlich auch für andere Funktionen unseres Körpers mehr als wichtig! Um festzustellen, ob die Trinkmenge ausreicht, ist die Farbe des Urins ein guter Maßstab. Der Urin sollte wie Weißwein aussehen.


3. Bevorzugen Sie immer die Bewegung

Sie müssen jetzt nicht zum Sport-As oder Leistungssportler werden. Fünf Minuten Gymnastik oder ein halbstündiger Spaziergang genügen, um den Darm in Schwung zu bringen. Auch andere einfache Aktivitäten, wie Treppensteigen oder Radfahren, fördern die Darmbewegungen.


4. Beachten Sie das Signal des Darms

Nehmen Sie sich Zeit. Unterdrücken Sie nicht den Stuhlgang, wenn sich Ihr Darm meldet. Folgen Sie dem Signal und suchen Sie umgehend die Toilette auf. Denn: Auf Nichtbeachtung reagiert Ihr Darm mit Unbeweglichkeit und Nichtentleerung.


5. Wenn Sie sich entspannen, entspannt auch Ihr Darm

Versuchen Sie, sich mindestens zweimal täglich bewußt zu entspannen. Sie gönnen damit Ihrem Darm eine Ruhepause. Er kann sich entkrampfen und geht danach um so lieber seiner Arbeit nach.

Was tun, wenn es mit der Verdauung nicht klappt?

Um bei einer Verstopfung schnell die gewünschte Erleichterung zu bekommen, ist für viele der Griff zum drastischen Abführmittel eine bequeme Lösung. Jedoch Vorsicht! Gerade pflanzliche Präparate – sogenannte „natürliche“ Abführmittel – schaden oft mehr, als daß sie helfen. Ihre Wirkung ist so radikal, daß sie sehr oft zu krampf- und durchfallartigen Darmentleerungen führen. Außerdem kann durch diese Mittel die Darmschleimhaut geschädigt werden.

Obwohl die drastischen Abführmittel kurzfristig zum Erfolg führen, bringen sie die normale, geregelte Verdauung nicht wieder in Gang. So müssen die Mittel immer häufiger eingenommen werden, häufig in immer höherer Dosierung. Das Ende vom Lied ist eine Abführmittel-Abhängigkeit.

Autor:

Dr. Bolz
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45549 Sprockhövel
www.praxis-bolz.de