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Alzheimer - Behandlung und Betreuung dementer Menschen

Demenz ist die Folge einer langjährigen krankhaften Gewebeveränderung im Gehirn und führt zu verminderter geistiger Leistungsfähigkeit. Es gibt eine ganz normale Vergesslichkeit, bei einigen Menschen mehr, bei anderen weniger stark. Dies ist kein Grund zur Beunruhigung. Treten häufiger und über längere Zeit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Orientierung auf (jemand findet den Weg vom Bäcker nach Hause nicht mehr), so ist dies ein Grund einen Arzt aufzusuchen. In manchen Fällen wird der Arzt feststellen, dass es sich um Eine Demenz, d.h. um ein typisches Muster von geistigen Leistungseinschränkungen und Verhaltensänderungen handelt.

Wie häufig sind Demenzen?

Vor dem 60. Lebensjahr sind Demenzen sehr selten. Danach steigt die Häufigkeit jedoch sprunghaft an und verdoppelt sich alle 5 Jahre, so dass schließlich ein Drittel aller über 85-jährigen Menschen dement werden. Mit der Zunahme älterer Menschen in Deutschland wird auch die Zahl der Demenzkranken ansteigen.

Sind Demenzen heilbar?

Nein, noch nicht. Doch besteht berechtigte Hoffnung, dass die medizinische Forschung zur Entwicklung neuer Medikamente beiträgt, welche die Demenz im Alter verhindern soll.

Sind Demenzen positiv zu beeinflussen?

Ja, und zwar mit deutlichem Erfolg! Von herausragender Bedeutung sind deshalb eine frühe Diagnose, eine rechtzeitige medikamentöse Behandlung sowie eine gute Information und Hilfestellung für die betreuenden Angehörigen. Dieses Vorgehen kann den Verlauf verzögern.

Was bedeutet die Diagnose Demenz oder Alzheimerkrankheit für die Angehörigen?

Eine große Aufgabe mit seelischen, körperlichen und finanziellen Belastungen. Diese Belastungen können jedoch durch richtigen Umgang mit dem Demenzkranken sowie durch Inanspruchnahme zahlreicher Unterstützungsangebote deutlich vermindert werden.

Die Alzheimerkrankheit ist die häufigste Form aller Demenzen. Der deutsche Psychiater und Neurologe Alois Alzheimer beschrieb 1907 die Hirngewebeveränderung einer verwirrten 51-jährigen Frau, die nach mehrjährigen geistigem Abbau gestorben war. Die Veränderungen im Gehirn geschehen, lange bevor der betroffene erste Krankheitsanzeichen bemerkt. Das Absterben von Hirnzellen führt zu einer Verkleinerung des Gehirns. Mikroskopisch betrachtet findet man im Hirngewebe Ablagerungen von krankhaften Eiweißen innerhalb und außerhalb der Nervenzellen. Es kommt zu einem massiven Absterben von Nervenzellen im Gehirn, so dass Informationen ungenügend gespeichert und verarbeitet werden. Neben der Demenz vom Alzheimer-Typ gibt es noch Demenzformen, die Folge anderer, zum Teil behandelbarer Krankheiten sind. Dazu gehören Durchblutungsstörungen des Gehirns, Vitamin- oder Hormonmangel sowie gewisse Infektionskrankheiten. Außerdem gibt es seltene Demenzformen, die nur einen bestimmten Teil des Gehirns befallen. Zur Beurteilung, welche Demenzform vorliegt, ist eine ärztliche Untersuchung notwendig.

Erscheinungsformen der Alzheimerdemenz

  1. Gedächtnisprobleme im Alltag und im Beruf
    Es ist normal, wenn man gelegentlich Aufgaben, Namen von Kollegen oder Geschäftspartnern oder Telefonnummern vergisst und sich erst später an sie erinnert. Alzheimerkranke hingegen vergessen öfters und erinnern sich später nicht mehr an das Vergessene.
  2. Schwierigkeiten bei Routineaufgaben
    Vielbeschäftigte Leute können hin und wieder so zerstreut sein, dass sie z. B. die Kartoffeln, die auf dem Herd kochen, vergessen. Alzheimerkranke jedoch sind unfähig, eine Mahlzeit für Gäste rechtzeitig einzukaufen, zu kochen und das Menü pünktlich zu servieren.
  3. Sprachproblem
    Jeder hat manchmal Mühe, die richtigen Worte zu finden. Aber Alzheimerkranke können einfache Wörter vergessen oder die Wortlücken durch unpassende Wörter ersetzen, weshalb ihre Sätze oft unverständlich werden.
  4. Falsche Orientierung in Zeit und Raum
    Es ist normal, wenn Sie einmal kurz vergessen, welchen Wochentag wir haben oder wohin Sie sich begeben wollen. Alzheimerkranke verirren sich jedoch in der gewohnten Umgebung, weil sie nicht wissen, wie sie dahin gekommen sind und wie sie nach Hause finden.
  5. Beeinträchtigte oder abnehmende Urteilsfähigkeit
    Jeder kann mal so beschäftigt sein, dass man zum Beispiel einen Moment lang nicht auf ein Kind aufpasst, das man hütet. Alzheimerkranke hingegen vergessen das Kind ganz und gar. Auch kann es vorkommen, dass sie sich völlig unangemessen anziehen, zum Beispiel mehrer Blusen oder Hemden übereinander tragen.
  6. Probleme mit abstraktem Denken
    Der Umgang mit Bank- und Geldangelegenheiten kann jeden überfordern, wenn die Sache etwas komplizierter ist als gewöhnlich. Alzheimerkranke jedoch vergessen, was die Zahlen bedeuten und was sie mit ihnen anfangen sollen.
  7. Verlegen von Gegenständen
    Jeder kann mal sein Portemonnaie oder seine Hausschlüssel verlegen. Alzheimerkranke hingegen legen Dinge an verkehrte Orte: zum Beispiel das Bügeleisen in den Kühlschrank oder die Armbanduhr in die Zuckerdose.
  8. Stimmungsschwankungen
    Traurig oder launisch ist sicher jeder einmal. Alzheimerkranke aber können an ausgeprägten Stimmungsschwankungen leiden, von fröhlich zu traurig oder wütend und dies ohne ersichtlichen Grund.
  9. Persönlichkeitsveränderungen
    Mit dem Älterwerden verändert sich jede Persönlichkeit. Alzheimerkranke jedoch können auf einmal misstrauisch, verwirrt oder ängstlich werden.
  10. Mangelnder Unternehmungsgeist
    Es ist normal, wenn die Hausarbeit, der Beruf oder soziale Verpflichtungen hin und wieder keine Freude machen. Die meisten Leute finden aber wieder zu Schwung und Elan zurück. Alzheimerkranke hingegen können sehr passiv werden und müssen ständig zum Aktivsein angehalten werden.
Treffen mehrer Symptome zu, sollten Sie oder die betroffene Person einen Arzt aufsuchen. Eine sorgfältige ärztliche Untersuchung umfasst eine genaue Erhebung der Krankheitsgeschichte, eine körperliche Untersuchung, eine Prüfung der geistigen Leistungsfähigkeit durch verschiedene Tests sowie eine Laboruntersuchung des Blutes. Eventuell wird ein bildgebendes Verfahren des Gehirns durchgeführt. Bluttests zur Analyse von Erbfaktoren oder Bestimmung demenzspezifischer Substanzen in der Rückenmarksflüssigkeit werden zur Zeit vor allem zur Sicherung der Diagnose in unklaren Fällen sowie zu Forschungszwecken verwendet.

Die Alzheimer-Krankheit verläuft…

…..bei jedem Betroffenen in sehr unterschiedlicher Art und Weise, je nach Erkrankungsalter, früherer Persönlichkeit, Ausbildung und Lebensverhältnissen.

Wenn die Krankheit fortschreitet, ist der betroffene Mensch zur Bewältigung seines Alltags zunehmend auf fremde Hilfe angewiesen:

  • Er/Sie wird sehr vergesslich, vor allem hinsichtlich kürzer zurückliegender Ereignisse oder Namen
  • Er/Sie kann nicht mehr den Haushalt führen, also kochen, einkaufen, putzen waschen etc.
  • Er/Sie kann sich nicht mehr waschen, kämmen, rasieren und ankleiden.
  • Er/Sie kann nicht mehr sprechen und versteht nur noch einfache Sätze oder Wörter, kann Dinge nicht oder nur noch falsch benennen.
Im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz werden die Betroffenen hilflos und stark pflegebedürftig:
  • Sie vergessen, wer sie sind, wer sie einmal waren und erkennen selbst enge Familienangehörige nicht mehr.
  • Sie können nicht mehr mit Besteck essen; später müssen sie gefüttert werden.
  • Sie können ihren Darm und ihre Blase nicht mehr kontrollieren und werden inkontinent.
Die Dauer dieses Krankheitsgeschehens variiert je nach Demenzform und Erkrankungsalter, durchschnittlich handelt es sich aber um einen Zeitraum von etwa acht Jahren. Die Ursachen der Alzheimerkrankheit sind immer noch unklar. Erbfaktoren (Gene) spielen eine Rolle, doch ist der familiäre Erbgang nicht eindeutig geklärt, sodass unter Umständen im Einzelfall keine genaue aussage über das persönliche Krankheitsrisiko gemacht werden kann.

Neben Erbfaktoren spielen auch Lebensereignisse und Begleiterkrankungen eine Rolle. Mit Sicherheit ist das zunehmende Alter selbst ein Risikofaktor, an Demenz zu erkranken. Kopfverletzungen, zum Beispiel durch Boxschläge oder wiederholte Stürze verursacht, und hoher Blutdruck gelten ebenfalls Risiko.

Heute gibt es wirkungsvolle Medikamente gegen die Alzheimerkrankheit.

Die neuen Arzneistoffe bewirken im Gehirn eine Normalisierung des Botenstoffes Acetylcholin, dessen Menge bei der Alzheimerkrankheit reduziert ist. Bei Patienten, die auf diese Medikamente gut ansprechen, verbessert sich die geistige Leistungsfähigkeit wieder erheblich, sodass sie auch bei alltäglichen Verrichtungen länger selbständig bleiben. Außerdem nützen diese Medikamente auch bei Verhaltensstörungen wie Aggression und Apathie und verringern dadurch den Pflegeaufwand für Betreuende erheblich. Je früher diese Medikamente reingesetzt werden, desto wirkungsvoller sind sie. Sie verzögern den geistigen Abbau um ein bis zwei Jahre, manchmal auch länger.

Entzündungshemmende Medikamente ( Nicht- Steroidale Antirheumatika), Vitamine E und Östrogene

Die Wirkung dieser Substanzen auf das Gehirn wird intensiv untersucht. Entzündungshemmende Medikamente verringern die Begleitentzündung im Gehirn, Vitamin E (1000 Mikrogramm pro Tag) scheint die Nervenzellen zu schützen, von Östrogenen hingegen scheinen Demente nicht zu profitieren.

Zukünftige Medikamente

Mehrere Substanzen werden zur Zeit geprüft, welche die krankhaften Ablagerungen im Gehirn unterbinden sollen. Anlass zur Hoffnung gibt auch ein Impfverfahren, durch welches das Immunsystem befähigt wird, die krankhaften Ablagerungen im Gehirn aktiv zu bekämpfen.

Angehörige kennen ihren Patienten am besten

Ihre Skepsis gegenüber Ratschlägen von Leuten „Die ja nicht erleben müssen, was ich erlebe“, ist sehr verständlich. Einige Wege der Betreuung und das zulassen fremder Hilfe schließen sich jedoch nicht aus. Alles wird leichter, wenn der Alzheimerpatient im Alltag nicht ständig überfordert wird. Zwar können verbliebene Fähigkeiten durchaus noch unterstützt oder geübt werden. Mit zunehmender Krankheit sollte jedoch darauf verzichtet werden, dem dementen Menschen „etwas beibringen“, und ihn zu kritisieren, wenn diese Leistung nicht erbracht wird. So ist es wenig sinnvoll, den Patienten in den Keller zu schicken um Mineralwasser zu holen und sich zu ärgern, wenn er stattdessen Waschpulver mitbringt.

Alzheimerpatienten leiden ohne dies ausdrücken zu können, an zu vielen Reizen, zu vielen Gesprächspartnern und an zu viel Lärm. Es ist also nicht sinnvoll, den Betroffenen ins Restaurant, zu Verwandten, auf verkehrsreiche Strassen und Plätze, gar ins Ausland an völlig unbekannte Orte mitzunehmen. So schmerzlich diese Einschränkung des sozialen Lebens auch fällt, mit der Zeit erleben die Angehörigen, dass solche Unternehmungen mit heftigen Krisen ihres Patienten erkauft werden müssen. Vielleicht lässt sich eine Betreuung zu Hause durch Nachbarn, Freunde oder durch einen bezahlten Betreuer organisieren, um nicht selbst in eine Isolation geraten.

Alzheimerpatienten stellen sich manchmal Menschen vor, die es gar nicht mehr gibt. Sie freuen sich zum Bespiel auf den Besuch der längst verstorbenen Mutter. Nichts ist dann so kränkend wie die Zerstörung dieser Vorstellung durch eine gut gemeinte Korrektur „Jetzt hör mal zu, Deine Mutter müsste ja 130 Jahre alt sein, wenn sie jetzt kommen sollte. Rechne doch mal nach!“ der Betroffene wird aber nicht nachrechnen, sondern beispielweise einen Wutanfall bekommen.

Wie reagieren? Meistens genügt es schon, das Erleben des dementen Patienten einfach zu akzeptieren. In der Regel lässt sich der Betroffene mit einem allgemeinen Zuspruch wie „Ich freu mich auch“ oder „Schon gut“ beruhigen oder ablenken.


Plötzliche Wutausbrüche oder gar Gewalttätigkeit haben meistens Gründe, die oft schwer herauszufinden sind. Vielleicht hat der Patient etwas nicht bekommen und kann es nicht sagen? Vielleicht stört ihn ein bestimmtes Verhalten der Pflegenden? Hilfreich ist es, sich die Begleitumstände zu notieren, um Aggressionen fortan vermeiden zu können.

Wenn allerdings Gewalttätigkeit auftritt, sollte sofort der Hausarzt zu Rate gezogen werden. Eine medikamentöse oder eine stationäre Behandlung ist zum Schutz der betreuenden Person und des Patienten unerlässlich geworden. Niemand sollte Gewalttätigkeit einfach erdulden! Weil Bewegung oft die einzige verbliebene Fähigkeit ist, können häufige kleine Spaziergänge sehr beruhigend wirken. Vielleicht lassen

sich Spazierbegleiter organisieren, vielleicht ist die Teilnahme in einer Spaziergruppe für Alzheimerpatienten möglich. Nicht nur der Umgang, auch der Wohnraum lässt sich durch kleine Veränderungen an demente Menschen anpassen, zum Beispiel nur schon dadurch, indem man Spiegel und Furcht erregende Bilder von den Wänden entfernt, nachts im Gang ein Licht brennen lässt, die ständige Berieselung durch Radio und Fernseher reduziert.

Die richtige Einstellung zu Alzheimerpatienten lässt sich durch Gespräche mit dem Hausarzt, durch ausgebildetes Pflegepersonal oder auch in einer regelmäßigen Angehörigengruppe erwerben. Mittlerweile haben sich verschiedene eigenständige Therapieverfahren für demente Patienten wie Validation, die Musiktherapie und die Rhythmisierungstherapie etabliert, die in zahlreichen Kursen und Seminaren angeboten werden.

Jeder Alzheimerpatient verhält sich anders

Dennoch gibt es hilfreiche Tipps, wie Sie reagieren können.

Zu Beginn der Krankheit reagieren die Betroffenen verzweifelt und traurig, wenn sie die Abnahme ihrer geistigen Leistungsfähigkeit registrieren. Oft stehen diese Menschen schweigsam am Fenster und schauen nach draußen in eine für sie ungewisse dunkle Zukunft. Die nachlassenden geistigen Kräfte überspielen sie mit ausweichenden Erklärungen. Nicht selten beschuldigen sie Außenstehende des Diebstahls, wenn sie ihre eigenen Sachen nicht mehr finden. Weil sie komplizierten Gesprächen nicht mehr folgen können, wirken sie abwesend, als hörten sie nicht zu. Häufig heißt es dann: “Die macht das extra“ oder gar „Der hat bestimmt eine andere“.

Wie reagieren?

Überfordern Sie den Patienten nicht mit schweren Aufgaben und plötzlichen Umstellungen. Organisieren Sie den Tag nach einem festen Zeitplan, sodass sich eine Routine einstellt. Reagieren Sie nicht gekränkt auf die wahnhaften Beschuldigungen. Versuchen Sie bei Traurigkeit oder Ängsten, dem Patienten etwas Angenehmes oder Lustiges aus der Vergangenheit in Erinnerung zu rufen. Halten Gefühlsverstimmungen und wahnhafte Störungen an, ist die medikamentöse Hilfe durch den Hausarzt unumgänglich. Später verwechseln die Betroffenen Personen der Gegenwart mit solchen der Vergangenheit und ziehen sich vermehrt in ihre eigene, für Außenstehende oft wahnhaft anmutende Welt zurück. Oft gehen demente Menschen in der Wohnung hin und her und fragen unablässig das Gleiche, zum Beispiel: “Was muss ich machen?“, Wann gibt es etwas zu essen?“ oder Wann gehen wir nach Hause?“, obwohl sie zu Hause sind. Gehäuft tritt diese Unruhe am späteren Nachmittag oder gegen Abend ein. Das Beantworten dieser Fragen macht die Angehörigen hilflos, sodass sie sich ärgern und dem Patienten die ständige Fragerei vorhalten. Wenn die Patienten weglaufen, ver- setzen sie ihre Familie stets ins Ungewisse, ob sie wieder den Weg nach Hause finden.

Wie reagieren?

Versuchen Sie nicht, die oft unsinnig erscheinenden Behauptungen mit vernünftigen Argumenten zu korrigieren; die Betroffenen reagieren gekränkt oder wütend. Lenken Sie vom Thema ab oder versuchen Sie, die Aussagen einfach zu akzeptieren. Geben Sie dem Alzheimerpatienten viel Freiraum, damit er sich nicht eingeengt fühlt. Versuchen Sie ihn bei Ruhelosigkeit mit einfachen Tätigkeiten zu beschäftigen, zum Beispiel Handtücher zusammen legen oder Kartoffeln schälen. Kleine Spaziergänge ums Haus herum können beruhigend wirken. Wichtig ist, dass der Betroffene immer seinen Namen und seine Adresse bei sich trägt. Wenn der demenzkranke Mensch aufgegriffen und zurück gebracht wird- schelten Sie ihn nicht, sondern sprechen Sie ruhig mit ihm. Ein neueres Foto ist hilfreich, wenn Sie andere Personen bei der Suche fragen müssen. Bei anhaltender und quälender Unrast kann die medikamentöse Hilfe durch den Hausarzt angebracht sein. Schreitet die Alzheimerkrankheit fort, wird die Verständigung zunehmend schwieriger. Die Patienten verstehen immer weniger und werden durch die Sprache überfordert, vor allem mit für sie komplizierten Fragen wie beispielweise „Möchtest du Wurst oder Käse?“ sodass sie mit Unverständnis oder Wut reagieren. Auch auf einfache Aufforderungen wie „Setz Dich hierhin“ reagieren Demenzkranke wegen Unverständnis oft nicht, das manchmal als Verweigern gedeutet wird.

Wie reagieren?

Versuchen Sie, die Bedürfnisse immer mehr zu erraten als zu erfragen, also von sich aus nach dem Grund der Ruhelosigkeit zu forschen: Stört den Betroffenen ein Geräusch? Hat er Hunger, Durst oder Schmerzen? Hat der Betroffene, ohne dies sagen zu können, eine volle Blase, ist er verstopft? Anstelle wortreicher Erklärungen zeigen Sie dem Patienten mit einer Bewegung, was Sie von ihm wollen und führen Sie ihn an der Hand oder berühren Sie ihn an der Schulter oder Rücken.

Unruhe, Angst und trotziges Verhalten……..

vieler Alzheimerpatienten beim Baden, Waschen oder Zähneputzen sind nicht nur Ausdruck von Veränderungen im Gehirn, sondern auch Reaktion auf Überforderung, wie man sie auch bei Kindern beobachten kann.

In der Tat freuen sich viele Menschen mit fortgeschrittener Alzheimerkrankheit wieder an Tierbildern und später sogar an Puppen, Stoff- oder Badetieren. Kinderzimmerähnliche Einrichtungen mit hellen, freundlichen Farben wirken auf viele Demente sehr beruhigend. Speisen, wie sie Kinder lieben, zum Beispiel Gericht die mit den Fingern verzehrt werden können, aber auch süße Breie, Cremes und Eis werden von vielen Alzheimerpatienten viel unproblematischer gegessen als komplizierte Menü-

abfolgen. Einschlafrituale, wie man sie Kindern bietet, mit Gutenachtgeschichten, Türspalt offen lassen und dem Brennen lassen eines Nachtlichts können den Schlaf vieler demenzkranker Menschen sehr günstig beeinflussen. Auch Autofahrten werden von vielen Alzheimerpatienten sehr genossen. Demenzkranke Menschen sind aber nicht einfach wie Kinder zu behandeln. Sie bleiben erwachsene Menschen mit eigener und prägender Lebenserfahrung und dem Anspruch, altersgerecht behandelt zu werden. Vermeiden Sie Kindersprache, aber sprechen Sie trotzdem in einfachen und klaren Sätzen. Damit können sie Überforderungen und Aggressionen vermindern.

Häufige alltägliche Probleme

Körperpflege

Alzheimerpatienten haben von sich aus oft kein Bedürfnis zu duschen oder zu baden; sie einfach dazu aufzufordern, ist wenig hilfreich. Die Betroffenen müssen dabei unterstützt werden, was manchmal gar nicht so einfach ist, da sie die Mithilfe verweigern können.
  • Versuchen Sie, an die früheren Gebräuche des Betroffenen anzuknüpfen.
  • Versuchen Sie, die Körperpflege zu einem einfachen und angenehmen Ereignis zu machen, möglichst dann, wenn der Betroffene ohnehin in guter Stimmung ist.
  • Duschen ist in der Regel einfacher als Baden.
  • Erlauben Sie dem Betroffenen, soviel wie möglich selbst auszuführen.
  • Ein Handlauf, ein Duschtuch oder eine Badematte garantieren Sicherheit.
  • Kommt es immer wieder zu Konflikten, ist die Körperpflege durch eine außenstehende Person, zum Beispiel durch einen Pflegedienst, vorzuziehen.

Kleidung

Alzheimerpatienten vergessen oft sich anzuziehen oder laufen völlig unangemessener Kleidung umher:
  • Legen Sie am Morgen die Kleider in der richtigen Reihenfolge aus.
  • Einfache Kleider und Schuhe mit Klebeverschluss sind praktischer.
  • Ermuntern Sie den Betroffenen so lange als möglich, sich selbst anzukleiden.

Toilette

Alzheimerpatienten wissen oft nicht mehr, wann und wo sie auf die Toilette gehen müssen:
  • Mit einem Toilettentraining nach Tageszeitplan kann geholfen werden.
  • Die Türe zur Toilette sollte offen bleiben, eventuell helfen auch Farbe und Beschriftung.
  • Hilfreich ist auch einfache Kleidung, die schnell ausgezogen werden kann.
  • Geben Sie dem Betroffenen vor dem zu Bett gehen nicht mehr viel zu trinken.
  • Eventuell ist ein Topf oder ein Nachtstuhl neben dem Bett sinnvoll.

Essen

Alzheimerpatienten vergessen zu essen und können nicht mehr mit dem Besteck umgehen. In späteren Stadien müssen sie gefüttert werden.
  • Die Betroffenen müssen an das Essen erinnert werden.
  • Servieren Sie Speisen, die mit den Fingern verzehrt werden können (Gemüse, Kartoffelkroketten, Brot, Würstchen etc.)
  • Demente Menschen sind mit der Abfolge mehrere Gänge oder sogar bei mehreren Speisen auf dem Teller überfordert und können sich nicht entscheiden. Einfache Mahlzeiten mit kleinen Portionen sind zu empfehlen.

Verstopfung

Es ist normal, wenn sich der Stuhlgang nur jeden zweiten oder dritten Tag einstellt. Werden die Abstände länger, sollte der Hausarzt konsultiert werden.

Gibt es eine Vorbeugung?

Bislang gibt es leider keinen Schutz davor, an Alzheimer zu erkranken. Es gibt aber einige Faktoren, die das Risiko zu erkranken verringern können.

Dazu gehören:
  • Geistige, körperliche und soziale Aktivität
  • Ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C. E und Beta-Karotin
  • Fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren
  • die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes mellitus
Hilfe und Beratung rund um das Thema Alzheimer finden sind bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V (www.deutsche-alzheimer.de) Quelle: Dieses Informationsblatt wurde zusammengestellt aus Broschüren der Pharmaindustrie.

Autor:

Dr. Bolz
Hauptstr. 62
45549 Sprockhövel
www.praxis-bolz.de