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Osteoporose - wenn die Knochen brüchig werden

Was ist Osteoporose?

Wörtlich übersetzt bedeutet Osteoporose "poröser Knochen" und beinhaltet die mengenmäßige Verminderung des Knochengewebes. Die Krankheit entwickelt sich oft unbemerkt über viele Jahre ohne Symptome und ohne Beschwerden, bis plötzlich ohne größere äußere Einwirkung ein Bruch - vorzugsweise an der Wirbelsäule, dem Handgelenk oder der Hüfte - auftritt. Osteoporose verursacht im fortgeschrittenen Stadium einen Verlust an Körpergröße und ist insbesondere für den sogenannten Witwenbuckel (eine zunehmend starke Krümmung der Brustwirbelsäule) verantwortlich. In Deutschland haben fast zwei Millionen Frauen und eine Million Männer Wirbelkörperbrüche, die aber zum Glück nicht zur Querschnittslähmung führen. Zusätzlich erleiden in der BRD jedes Jahr rund 70000 Menschen durch eine Osteoporose einen Oberschenkelhalsbruch. Osteoporose-Patienten haben ein viel höheres Risiko als Gesunde, sich selbst bei einer einfachen körperlichen Belastung, wie etwa beim Stolpern oder beim Heben einer Last, einen Bruch zuzuziehen. Der Grund ist, dass die Knochen bei dieser Stoffwechselerkrankung des Skeletts an Substanz verlieren, die knöchernen Strukturen werden zerstört und damit auch die Festigkeit.

Die Osteoporose stellt ein großes Gesundheitsproblem dar und ist neben der Arthrose, einer Gelenkerkrankung, zur wichtigsten Volkskrankheit geworden. 80% der Erkrankten sind Frauen. Bei ihnen überwiegt die sogenannte postmenopausale Osteoporose (Typ I), die in und nach den Wechseljahren auftritt. Allerdings erweist sich die Vorstellung, dass Osteoporose eine reine Frauenkrankheit ist , immer mehr als falsch. Von der senilen Osteoporose, derjenigen im Alter (Typ II), sind Männer und Frauen im Verhältnis 1:2 betroffen

Folgen der Osteoporose sind Knochenbrüche. Viele davon sind schmerzvoll und haben Behinderungen zur Folge wie Brüche des Oberschenkelhalses, der Wirbelkörper, der Handgelenke oder der Arme. Ursache dieser Brüche ist häufig ein Sturz, z. B. beim Stolpern über eine Teppichkante. Aber auch alltägliche Handgriffe wie zum Beispiel das Hochheben eines Eimers können Gründe für den Bruch eines Wirbelkörpers sein, wenn die Knochen durch die Erkrankung schon geschwächt sind.

Die schwersten Auswirkungen hat der Oberschenkelhalsbruch mit oft fatalen Folgen für den Einzelnen. Dabei tritt fast ein Drittes der Oberschenkelfrakturen bei Männern auf. Auch bei ihnen führt die im Alter abnehmende Knochendichte dazu, dass die Knochen leichter brechen. Neben der Notwendigkeit einer Operation bedeuten die Oberschenkelbrüche auch nach dieser Behandlung eine erhebliche Beeinträchtigung für die meisten Patienten. Viele der Betroffenen, die vorher unabhängig gelebt haben, benötigen dann zeitweise Pflege. Ein Drittel ist nach dem Bruch auf Fremdhilfe angewiesen. Ständig pflegebedürftig ist ein Fünftel der Patienten und trotz der Möglichkeiten moderner medizinischer Versorgung sterben im Verlauf des ersten Jahres nach dem Bruch bis zu 20% der Patienten.

Was verursacht die Osteoporose?

  1. Alter
    Im Alter zwischen 30 und 40 Jahren ist die Knochendichte am höchsten. In den folgenden Jahren nimmt sie wieder ab. Das heißt, mit zunehmendem Alter bildet der Körper weniger neuen Knochen, um alten zu ersetzen. Somit tritt durch das Alter bereits eine natürliche Schwächung des Knochens auf, die aber durch rechtzeitige Untersuchung erkannt und durch ärztlich Behandlung und Betreuung hinausgezögert werden kann. Bei Frauen löst im Allgemeinen ein Östrogenmangel durch die Wechseljahre eine zunehmende Entkalkung und Schwächung des Knochens aus. Besonders gefährdet sind zudem solche Frauen, die besonders früh in die Wechseljahre kommen oder an Zyklusstörungen leiden.
  2. Erblichkeit
    Wenn sich in der Familiengeschichte Brüche, schmaler zierlicher Körperbau, Hellhäutigkeit finden, steigt das Risiko für eine Osteoporose. Erbfaktoren können auch erklären, warum bei manchen Frauen bereits vor dem Eintreten der Wechseljahre eine Osteoporose auftritt.
  3. Ernährung und Lebensführung
    Ernährungsfehler durch geringe Calciumaufnahme und eine überwiegend sitzende Lebensführung können mit dem Entstehen der Erkrankung in Zusammenhang gebracht werden. Rauchen und übermäßiger Alkoholgenuß können ebenso dazu beitragen.
  4. Medikamente und Erkrankungen
    Osteoporose kann durch einige Medikamente wie Cortisonpräparaten oder auch durch Stoffwechselerkankungen (Schilddrüsenfunktionsstörung oder Zuckerkrankheit) mitverursacht werden.

Risikofaktoren

Die Gefahr, an Osteoporose zu erkranken, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, denn es gibt bestimmte Risikofaktoren wie
  • Wenig Bewegung
  • Abneigung oder Unverträglichkeit von Milch und Milchprodukten
  • Hoher Konsum von Fleisch und Wurst, denn sie enthalten viel Phosphat, das das Kalzium bindet und für den Körper damit unwirksam macht (sehr phosphatreich sind auch Cola, Schmelzkäse und einige Konservierungsmittel)
  • Sehr schlanker Körperbau, häufige Hungerkuren oder gar Magersucht
  • Hoher Alkohol- und Zigarettenkonsum
  • Längeres Aussetzen der Regel, z. B. beim Leistungssport
  • Erste Menstruation mit über 15 Jahren oder Beginn der Wechseljahre unter 45 Jahre
  • Entfernte Eierstöcke
  • Familiäre Belastung
  • Chronische Erkrankungen der Niere, der Leber, der Schilddrüse oder Diabetes mellitus
  • Über längere Zeit Cortison in hohen Dosen
  • Weiblich: in 90 Prozent der Fälle erkranken Frauen
  • Über 50 Jahre alt

Diagnose der Osteoporose

Die Diagnose der Osteoporose wird üblicherweise von Ihrem Arzt gestellt. Er bedient sich dazu der medizinischen Vorgeschichte (Anamnese), einer körperlichen Untersuchung, der Röntgenbilder des Skelettes und der Knochendichtemessung. Wenn bei Ihnen eine erniedrigte Knochenmasse festgestellt wurde, werden wahrscheinlich weitere Untersuchungen durchgeführt, um andere Knochenerkrankungen, welche mit einem Knochenverlust einhergehen, auszuschließen. Dies betrifft auch die sogenannte Osteomalazie (Vitamin D-Mangel) oder eine Überaktivität der Nebenschlilddrüse (Hyperparathyreoidismus).

Knochendichtemessung

Bei der Knochendichtemessung wird Ihre Knochendichte mit der Norm von Personen Ihres Alters und Ihrer Konstellation verglichen. Die Knochendichtemessung wird bei Frauen oft bereits zu Beginn der Wechseljahre durchgeführt.

Wie wird Osteoporose behandelt?

Verloren Knochenmasse läßt sich nur schwer ersetzen. Daher sollte einem Knochenmasseverlust rechtzeitig vorgebeugt werden, damit es sogar nicht erst zur Osteoporose kommt. Liegt die Krankheit vor, ist die Behandlung meistens eine Teamarbeit zwischen Hausarzt, Internist, Orthopäde, Frauenarzt und Endokrinologe (Hormonspezialist).
Körperliches Training und entsprechende Ernährung sind die Basis einer erfolgreichen Therapie. Es müssen aber auch häufig medikamentöse Behandlungen eingesetzt werden.
Inzwischen gibt es eine Reihe von Medikamenten, deren Wirksamkeit zur Therapie der Osteoporose gut Untersucht ist. Bewährt hat sich z. B. Calcium als Basistherapie jeder Osteoporosetherapie. Calcium ersetzt bei unzureichender Aufnahme durch die Ernährung den natürlichen Calciumverlust des Körpers. Vitamin D hilft bei der Aufnahme des Calciums in den Körper und wird zusätzlich zu Calcium gegeben, wenn ein Vitamin D-Mangel vorliegt.
Direkt nach Eintritt der Menopause empfiehlt sich die Gabe von Östrogenen, um den Hormonverlust auszugleichen. Fluoridhaltige Medikamente unterstützen den Knochenaufbau. Calcitonine und Bisphosphonate bremsen den gesteigerten Knochenverlust ab und fördern den Knochenaufbau. Bitte beraten Sie sich mit uns, welches Medikament für Sie in Frage kommt.

Wie können Sie vorsorgen?

Jeder kann eine Osteoporose entwickeln. Rechtzeitige Vorsorge zu betreiben ist viel sinnvoller, als die Krankheitsfolgen mit einer notwendigen Behandlung zu mindern.

Calcium

Die Knochen sind der größte Calciumspeicher des Körpers. 95% des Knochens bestehen aus Calcium. Calcium ist aber nicht nur ein Grundbaustein des Stützapparates, sondern ein Mineral für wesentliche Stoffwechselvorgänge. Aufgrund der Bedeutung des Calciums für das Arbeiten des menschlichen Körpers muß der Calciumgehalt im Blut im Rahmen einer geringen Toleranz stets gleich hoch gehalten werden. Generell benötigen Sie - unabhängig von Ihrem Altert oder Gesundheitszustand - Calcium für die Knochengesundheit. Calcium bleibt ein lebenslang notwendiger Nahrungsbestandteil. Der Körper verliert nämlich jeden Tag Calcium. Obwohl Calcium den allmählichen Knochenabbau nach den Wechseljahren nicht verhindern kann, spielt es auch ab diesem Alter weiterhin eine wichtige Rolle bei der Bewahrung Ihrer Knochenqualität. Selbst wenn die Wechseljahre vorüber sind und bereits eine Osteoporose besteht, kann eine Erhöhung der Calciumaufnahme das Bruchrisiko deutlich verringern.

Übrigens, im Kindesalter braucht der Körper während des Wachstums Calcium, um einen festen Knochen aufzubauen und einen Calciumvorrat anzulegen. Fehlt eine entsprechende Calciumaufnahme, muß sich der Körper aus dem Calciumreservoir versorgen. Deshalb ist es eine gute Investition für die Zukunft, Knochenmasse in der Jugend aufzubauen. Hier spielt die Ernährung eine wichtige Rolle.

Zur Vorbeugung der Osteoporose sollten bereits junge Menschen eine maximale Menge an Knochenmasse aufbauen. Dabei hilft eine calciumreiche Ernährung. In den Jahren danach wird sie gebraucht, um die Knochen zu erhalten. Der Calciumbedarf unterscheidet sich in den einzelnen Lebensabschnitten. So benötigen Kinder ab einem Jahr täglich 800 mg, Heranwachsende und Stillende 1200 mg und Erwachsene 1000 mg, Frauen nach der Menopause, die keine Hormonersatztherapie bekommen, sollten 1500 mg zu sich nehmen, ebenso wie alle Menschen über 65 Jahren. Der notwendige altersentsprechende Calcium-Bedarf wird vor allem bei jungen Menschen heutzutage nicht mehr durch die Ernährung gedeckt. Das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung hat festgestellt, dass Schulkinder heute wesentlich weniger Milch trinken als vor zwanzig Jahren. Die Calciumzufuhr liegt deshalb um bis zu 25% unter den Richtwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Zu geringe Calciumaufnahme während des Wachstums kann zu einer Entwicklung der Osteoporose beitragen.

Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse sind ausgezeichnete Quellen für Calcium. Ein halber Liter Milch (auch fettarm) enthält ca. 600 mg Calcium. Andere calciumreiche Nahrungsmittel sind Broccoli und einige Fischarten. Wenn Ihre Ernährung nicht genügend Calcium enthält, kann ein medikamentöser Calcium-Ersatz den Mangel beheben. Der Tagesbedarf von Calcium liegt zwischen 1000 und 1500 mg. Wieviel Calcium Sie konkret benötigen, hängt von Ihrem Alter und anderen Faktoren ab. Bitte fragen Sie uns danach, bevor Sie Calcium regelmäßig einnehmen.

Vitamin D

Vitamin D ist notwendig, um Calcium aus dem Dünndarm aufzunehmen. Üblicherweise ist es in Nahrungsmitteln ausreichend enthalten. Ein halber Liter Milch genügt zur Deckung des täglichen Bedarfs. Die Bildung von Vitamin D im Körper wird durch ultraviolette Strahlung, also durch Sonnenlicht, beeinflußt. Die Vitamin D-Konzentration im Blut kann gemessen werden. Sollte sie zu niedrig sein, muß an einen medikamentösen Ersatz gedacht werden.

Körperliche Belastung - Training

Wie Muskeln müssen auch Knochen beansprucht werden, um fest zu bleiben. Unabhängig von Ihrem Alter kann körperliches Training Ihren Knochenverlust kleinhalten und zusätzlich - als positive Begleiterscheinung - Gutes für Ihre Gesundheit bewirken und Ihr allgemeines Wohlbefinden steigern.

Ärzte glauben, dass ein regelmäßiges Übungsprogramm (3-4mal pro Woche) für die Vorsorge und Behandlung der Osteoporose ausreichend ist. Übungen wie Gehen, Laufen, Radfahren, Treppensteigen, Tanzen, aber auch Fitneß-Training und Gewichtstraining sind für diese Zwecke geeignet.

Östrogen-Ersatztherapie

Eine Östrogen-Ersatztherapie wird meist für Frauen mit einem hohen Risiko für die Entwicklung einer Osteoporose empfohlen. Eine Knochendichtemessung zum Zeitpunkt der Wechseljahre kann helfen zu entscheiden, ob Sie eine Östrogen-Ersatztherapie benötigen. Wie bei jeder Behandlung gilt es auch hier Risiken abzuwägen. Diese Behandlung sollte deshalb mit Ihrem behandelnden Arzt besprochen werden.


Kalziumgehalt einiger Lebensmittel

Milch 0,3-3,5% Fett

1 Glas/200 ml

240 mg Kalzium

Joghurt, Kefir, Dickmilch mit Frucht

1 Becher/250 g

250 mg Kalzium

Eiscreme

3 kl. Kugeln/125 g

200 mg Kalzium

Hartkäse, Emmentaler, Parmesan

1 Scheibe/30 g

300 mg Kalzium

Fester/halbfester Schnittkäse, Gouda, Edamer, Tilsiter

1 Scheibe/30 g

250 mg Kalzium

Weichkäse, Camembert, Feta, Edelpilzkäse

1 Stück/40 g

170 mg Kalzium

Frischkäse, Speisequark, Hüttenkäse

1 Portion/30 g

25 mg Kalzium

Ölsardinen

3 Stück/120 g

395 mg Kalzium

Grünkohl

1 Portion/150 g

318 mg Kalzium

Fenchel

1 Portion/150 g

164 mg Kalzium

Broccoli

1 Portion/150 g

158 mg Kalzium

Lauch (Porree)

1 Portion/150 g

131 mg Kalzium

Vollkornbrot

1 Scheibe/50 g

21 mg Kalzium

Sesamsamen

1 EL/20 g

157 mg Kalzium



Autor:

Dr. Bolz
Hauptstr. 62
45549 Sprockhövel
www.praxis-bolz.de