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Was Sie über Eisenmangel wissen sollten

Eisen, ein Rohstoff und Spurenelement

Eisen (chemische Abkürzung: Fe) ist das häufigste Metall der Erde und dazu noch das wichtigste. Neben seiner großen wirtschaftlichen Bedeutung als Rohstoff für Industrie und Technik ist es als Spurenelement ein genauso unersetzlicher Bestandteil der belebten Natur:
Atmung und Energieumsatz, die Voraussetzungen für den Ablauf aller Lebensvorgänge im Pflanzen- und Tierreich, sind an das Vorhandensein des Spurenelements Eisen gebunden. Aus dem gleichen Grund ist Eisen in besonderer chemischer Form auch für den menschlichen Organismus lebenswichtig. Wir benötigen es zur Blutbildung, zum Sauerstofftransport und für die Stoffwechselvorgänge in unseren Körperzellen.

Eisenmangel ist weit verbreitet

Vitamin- und Eiweißmangelzustände, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit häufig auftraten, sind heutzutage in Deutschland nur noch selten anzutreffen. Dies gilt jedoch nicht für den Eisenmangel, der als verstecktes Leiden zahlreiche Beschwerden verursachen kann. Er ist gegenwärtig die Nummer 1 unter den Mangelkrankheiten und die häufigste Ursache für die nicht ungefährliche Blutarmut.

Wer ist besonders gefährdet?

Unter Eisenmangel leiden hauptsächlich Frauen. Während unter der gesamten erwachsenen Bevölkerung nur etwa jeder 10. An einem mehr oder weniger ausgeprägtem Eisenmangel leidet, hat nach neuesten Untersuchungen rund die Hälfte aller Frauen im gebärfähigen Alter zu wenig Eisen im Körper. Auch unter Kleinkindern ist Eisenmangel weit verbreitet: Jedes 4. Kind unter 6 Jahren erhält mit der Nahrung zuwenig Eisen. Andere Risikogruppen fallen dagegen zahlenmäßig nicht so stark ins Gewicht: Kranke mit Magen-Darm-Blutungen oder mit gestörter Eisenaufnahme (z. B. nach Operationen oder bei fehlender Magensaftproduktion), Blutspender oder Patienten in der Rekonvaleszenz.

Die normale Eisenbilanz des Körpers

Der erwachsene Organismus enthält 3-5 Gramm Eisen. Mehr als die Hälfte davon befindet sich im Hämoglobin, dem Farbstoff des Blutes, der den roten Blutkörperchen ihre Eigenschaft verleiht und sie zum Sauerstofftransport befähigt. Ungefähr

1 1/2 Gramm Eisen liegen als Vorrat für Zeiten erhöhten Bedarfs in Leber, Milz und Knochenmark. Die restliche Menge von einigen 100 Milligramm schließlich ist in lebenswichtige Zellfermente und Sauerstoffspeicher der Muskulatur eingebaut sowie an eisentransportierende Eiweißkörper gebunden.

Das Eisen in unserem Blut unterliegt einem ständigen Austausch zwischen den körpereigenen Eisendepots und den Stätten der Blutbildung. Rote Blutkörperchen, die normalerweise in einer Menge von 4,5-5 Millionen pro mm3 Blut vorhanden sind, haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Schon nach 4 Monaten sind sie nicht mehr funktionsfähig und werden in Leber und Milz abgebaut. Das freigesetzte Eisen - etwa 30 Milligramm täglich - gelangt dabei zurück ins Knochenmark, wo es zum erneuten Aufbau von Blut verwendet wird.

Trotz dieses sparsamen Umgangs mit blutbildendem Eisen entstehen Verluste. Abgesehen von Blutungen und anderen Belastungen, z. B. durch Schwangerschaft, gehen pro Tag ca. 0,5-2 Milligramm Eisen verloren: durch körperliche Ausscheidungen sowie Abschilferungen von Haut, Schleimhäuten, Haaren und Nägeln.

Eine ausgeglichene Bilanz, bei der die Eisendepots gefüllt bleiben und alle Funktionen normal ablaufen, erfordert daher eine regelmäßige Eisenzufuhr.

Eisen Und Essen

Unsere täglichen Mahlzeiten enthalten bei üblicher Mischkost aus Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten etwa 10-20 Milligramm Eisen. Davon nimmt der Körper rund 10% auf, was einer Menge von 1-2 Milligramm entspricht. Die eigentliche Eisenaufnahme erfolgt im Zwölffingerdarm, nachdem zuvor der Magensaft die notwendige Vorarbeit geleistet und Eisen aus den zumeist komplexen organischen Verbindungen der Nährstoffe herausgelöst hat. Über die erwähnten Transport-Eiweißkörper des Blutes gelangt der Großteil davon ins Knochenmark. Der Rest wandert in die Eisenspeicher zur späteren Verwendung oder dient dem Aufbau spezieller Zellmoleküle.

Der Eisengehalt von Nahrungsmitteln ist sehr unterschiedlich. Fleisch und Innereien enthalten das meiste Eisen. Fett, Zucker und Mehl dagegen sind nahezu eisenfrei, auch Milch und Milchprodukte enthalten nur ganz geringe Eisenmengen.

Eisen ist vom Körper nicht in jeder Form verwertbar. Auch die modernen Aufbewahrungs- und Konservierungsmethoden sowie die Art der Speisenzubereitung können die Eisenaufnahme erschweren.

Die Ursachen eines Eisenmangels

Eisenmangel ist immer die Folge einer unausgeglichenen Bilanz: Entweder geht mehr Eisen verloren als aufgenommen werden kann oder die tägliche Aufnahme liegt unter dem jeweiligen Bedarf. Demnach kommen drei Ursachen für den Mangelzustand in Frage:

  1. Zu geringe Eisenzufuhr:
    Dabei muß man unterscheiden zwischen allgemein verringerter Nahrungsaufnahme (z. B. im Rahmen von Diätplänen und Schlankheitskuren) und falscher Ernährung, insbesondere durch eine einseitige Ausrichtung auf Milchprodukte und Kohlenhydrate, auf Konserven und Fertiggerichte oder auch auf rein vegetarische Kost. In jedem Fall erhält der Körper weniger Eisen, als er zur Aufrechterhaltung seiner Funktionen braucht.
  2. Gestörte Eisenaufnahme
    Sie beruht auf krankhaften Veränderungen des Magen-Darm-Traktes und der dort produzierten Verdauungssäfte. So kann z. B. ein zu geringer Säuregehalt des Magensaftes die Freisetzung von Eisen aus der Nahrung erschweren und in weiterer Folge auch seine Aufnahme verhindern. Selbst bei theoretisch ausreichendem Angebot bleibt in einem derartigen Fall die normale Eisenverwertung ausgeschlossen.
  3. Erhöhter Eisenverlust
    Mit jedem Kubikzentimeter Blut, den wir verlieren, verlieren wir auch etwa 0,5 Milligramm Eisen. Daher sind Blutungen immer eine Gefahr für den Eisenhaushalt. In erster Linie treten sie bei Frauen in Form der Monatsblutungen sowie nach Schwangerschaften oder Fehlgeburten auf. Aber auch häufiges Nasenbluten, Blutspenden in sehr kurzen Abständen oder versteckte Blutverluste, z. B. bei Erkrankungen der Verdauungsorgane mit Ulkusbildung, können Eisenmangel hervorrufen. Wenn man von den zuletzt genannten Fällen mit Magen-Darm-Blutungen oder mit Aufnahmestörungen, z. B. nach Magenoperationen oder bei fehlender Magensaftproduktion absieht, leiden Männer im allgemeinen nicht an Eisenmangel. Ganz anders jedoch sind die Verhältnisse bei Frauen.

Monat für Monat

Bei jeder Menstruation verliert eine geschlechtsreife Frau etwa 30 Kubikzentimeter Blut, entsprechend 15 Milligramm Eisen pro Monat oder 0,5 Milligramm täglich, die die Eisenbilanz zusätzlich belasten. Stärkere Regelblutungen, die gar nicht selten vorkommen, wirken sich naturgemäß noch ungünstiger aus.

Der erhöhte Eisenbedarf, der sich daraus pro Tag ergibt, kann nicht ohne weiteres aus der Nahrung gedeckt werden. Legt man eine durchschnittliche Aufnahme von etwa 2000 Kalorien (=8373 Kilojoule) in Form gemischter Kost zugrunde, dann steht einem Bedarf von 1-2 Milligramm Eisen lediglich eine Zufuhr von rund 1 Milligramm gegenüber. Durch die regelmäßigen monatlichen Blutverluste ist die Eisenbilanz der Frau in der gesamten Phase ihres gebärfähigen Alters gefährdet. Beim jungen Mädchen fällt das Auftreten der ersten Regel meist mit einem ausgeprägtem Wachstumsschub zusammen, der seinerseits schon die Eisenreserven extrem beansprucht, während bei der erwachsenen Frau Schwangerschaft, Geburt und anschließende Stillzeit noch weitere Belastungen mit sich bringen.

Doppelbelastung "Schwangerschaft"

Im Laufe einer normalen, neunmonatigen Schwangerschaft werden insgesamt 800-1200 Milligramm Eisen benötigt. Diese Menge setzt sich zusammen aus dem Eisenbedarf des heranwachsenden Kindes und der Plazenta sowie der Zunahme der mütterlichen Blutmenge. Da fast die Hälfte aller Frauen bereits vor der Schwangerschaft an einem (meist unerkannten) Eisenmangel leidet und keine mobilisierbaren Reserven mehr besitzt, muß das fehlende Eisen im wesentlichen über die Nahrung zugeführt werden.

Durch den steigenden Bedarf, der in der 2. Hälfte der Schwangerschaft immerhin 3-7 Milligramm pro Tag beträgt, kommt es zu einem ausgeprägten Eisendefizit. Das gilt auch für jene Frauen, die anfangs noch über ausreichende Vorräte in den körpereigenen Eisenspeichern verfügten. Ein derartiger Mangelzustand bedeutet in jedem Fall eine ernste Gefahr für Mutter und Kind, weil wichtige Funktionen des kindlich-mütterlichen Kreislaufs beeinträchtigt werden.

Die Zeichen des Eisenmangels

Entsprechend der Hauptfunktion von Eisen im menschlichen Körper kommt es bei anhaltend gestörter Eisenbilanz zur Beeinträchtigung der Blutbildung, nachdem die gespeicherten Vorräte verbraucht sind. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen entsteht Blutarmut (Anämie). Dann ist die Zahl der roten Blutkörperchen und deren Gehalt an Blutfarbstoff (Hämoglobin) vermindert: Das Blut kann nicht mehr genügend Sauerstoff in die Körperzellen transportieren. Die ersten Beschwerden äußern sich durch Müdigkeit, Schwächeanfälle sowie eine allgemeine Verminderung körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit. Im weiteren Verlauf können Kopfschmerzen, Vergeßlichkeit, Konzentrationsstörungen, Nervosität, Appetitlosigkeit, ja sogar Atemnot, Herzbeschwerden und eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen hinzukommen. Zuletzt, wenn schon eine ausgeprägte Blutarmut besteht, reagiert der Körper auch äußerlich auf die Krankheit: Mit blasser, trockener und spröder Haut, brüchigen, abgeflachten Fingernägeln, rissigen Lippen und vermehrtem Ausfall stumpfer, gespaltener Haare.

Vorbeugen - besser als Heilen

Wie für jede Krankheit, so gilt auch für Eisenmangel, daß Vorbeugen besser ist als späteres Heilen. Zur wirksamen Vorbeugung gehört in erster Linie die richtige Ernährung. Sie wissen, wie wichtig eine abwechslungsreiche Kost für eine ausgeglichene Eisenbilanz ist. Verwenden Sie daher in Ihrer Küche nach Möglichkeit mehr Frischprodukte und weniger Konserven und Fertiggerichte, auch wenn sie noch so lecker schmecken. Frisches Fleisch in Verbindung mit reichlich Gemüse, Obst und Salaten deckt nicht nur den täglichen Kalorienbedarf, sondern sichert auch eine optimale Zufuhr an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, die für Ihre Gesundheit unentbehrlich sind. Sehr gute Eisenspender sind neben dunklem Fleisch (Wild, Rind) vor allem Wirsing, Spinat, Hülsenfrüchte und alle Kohlsorten. Produkte aus Vollkornmehlen sollten nicht nur wegen der Ballaststoffe, sondern vor allem wegen der Eisenversorgung bevorzugt eingesetzt werden.

Wenn Eisen erforderlich ist

Bei bestehendem oder drohendem Eisenmangel sind jedoch Ernährungsmaßnahmen allein nicht mehr ganz ausreichend. Da hilft auch die zusätzliche Einnahme eines Eisenpräparats. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung oder nach der Höhe des zu erwartenden Eisen-Mehrbedarfs. Auf nüchternen Magen werden manche Eisenpräparate schlecht vertragen.

Eine Dunkelfärbung des Stuhls ist eine normale Erscheinung, die Sie nicht zu beunruhigen braucht.

Hier noch einige Beispiele für den Eisengehalt
verschiedener Nahrungsmittel:


Kaki-Frucht370,0 mg/100 g
Pfifferlinge, getrocknet17,2 mg/100 g
Schweineleber15,8 mg/100 g
Leberwurst, fein10,4 mg/100 g
Mungobohnen9,8 mg/100 g
Rinderniere9,5 mg/100 g
Kalbsleberwurst9,2 mg/100 g
Hirse, geschält9,0 mg/100 g
Leinsamen8,2 mg/100 g
Weizenkeime8,1 mg/100 g
Quinoa8,0 mg/100 g
Kichererbsen7,0 mg/100 g
Bauernleberwurst6,8 mg/100 g
Sojabohnen 6,6 mg/100 g
Sonnenblumenkerne 6,3 mg/100 g
Cashewkerne, gesalzen/geröstet 6,0 mg/100 g
Cornflakes mit Schokolade 6,0 mg/100 g
Tofu 5,4 mg/100 g
Erbsen, reif 5,0 mg/100 g
Sardelle 5,0 mg/100 g
Roggen, Vollkorn 4,8 mg/100 g
Wachtel mit Haut 4,5 mg/100 g
Vollkornmüsli mit Trockenobst 4,3 mg/100 g
Gummibärchen 4,2 mg/100 g
Grünkern 4,2 mg/100 g
Spinat 4,1 mg/100 g
Mais/Maisgrieß, Polenta 3,9 mg/100 g
Lachsschinken 3,8 mg/100 g
Knäckebrot, ballaststoffreich 3,6 mg/100 g
Grünkohl 1,9 mg/100 g

Autor:

Dr. Bolz
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