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Histaminintoleranz

Was ist eine Histaminintoleranz?

Unter Histaminintoleranz versteht man die Unverträglichkeit von mit der Nahrung aufgenommenem oder im Körper freigesetztem Histamin. Die Ursache beruht im Wesentlichen auf einem Mangel an dem histaminabbauendem Enzym Diaminooxidase (DAO), oder es besteht ein Missverhältnis zwischen Histamin und der DAO, die normalerweise Histamin im Darm abbaut. Histamin wird jedoch nicht nur mit der Nahrung aufgenommen, sondern ist auch ein körpereigenes Gewebshormon mit diversen Funktionen:

  • es regt die Magensaftproduktion an
  • senkt den Blutdruck
  • steigert die Darmbewegungen
  • reguliert den Schlaf- und Wachrhythmus
  • ist an Entzündungsprozessen beteiligt

Nach den bisherigen klinischen Erkenntnissen ist die Histaminintoleranz nicht bzw. extrem selten angeboren, sondern vermutlich ein erworbenes Krankheitsbild. Aufgrund von Daten einer französischen Studie mit 33.000 Personen kann das Auftreten der Histaminintoleranz mit knapp 1% der Gesamt-Bevölkerung angenommen werden. 80% der erkrankten Patienten sind Frauen um die 40 Jahre, woraus ein möglicher Zusammenhang mit der Abnahme von weiblichen Geschlechtshormonen in Verbindung gebracht wird. Darüber hinaus gibt es Arzneimittel, die das histaminabbauende Enzym DAO blockieren.

Mit der Nahrung nehmen wir im Durchschnitt täglich etwa 4 mg Histamin auf!

Gestörter Histaminabbau!

Histamin ist chemisch gesehen ein "biogenes Amin", es entsteht durch den Ab- und Umbau von Eiweiß und kommt natürlicherweise in fast allen Lebensmitteln vor. Biogene Amine werden aus den Bausteinen der Eiweiße, den Aminosäuren, durch Abspaltung der Säuregruppe gebildet. Da diese Abspaltung vorwiegend von Mikroorganismen durchgeführt wird, wurden die Amine als biogen bezeichnet. Die Mitwirkung der Mikroorganismen deutet auch schon darauf hin, welche Lebensmittel einen hohen Gehalt an biogenen Aminen aufweisen:

Gereifte bzw. fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Bier, Wein, Käse, Wurst, Schokolade sind Kandidaten für einen hohen Gehalt. Da die Stoffe aber auch beim Verderb von eiweißreichen Lebensmitteln entstehen können, ist es möglich, dass der Gehalt in schnell verderblicher Ware, wie z.B. Fisch, ebenfalls beträchtlich sein kann. Vor allem in Thunfisch und Makrelen kommen häufig recht hohe Mengen vor.

Bei der Histamin-Intoleranz ist jedoch nicht nur das Histamin von Bedeutung. Auch andere biogene Amine wie Phenylethylamin, Tyramin, Serotonin, Putrescin, Spermin, Spermidin und Cadaverin können bei empfindlichen Menschen Beschwerden auslösen.

Steigt der Histamingehalt im Körper durch den Verzehr histaminreicher Lebensmittel stark an, wird dieser normalerweise über das Enzym Diaminooxidase (DAO) und N-Methyltransferase abgebaut. Die DAO, die kontinuierlich im Dünndarm produziert wird, übernimmt dabei den größten Teil. Wird trotzdem Histamin über die Darmzellen aufgenommen, so wird es über die Blutbahn in die Leber transportiert und dort über die N-Methyltransferase, dem zweiten wichtigen histaminabbauenden Enzym weiter abgebaut.

Bei der Histaminintoleranz ist dieser Abbaumechanismus gestört. Als Folge häuft sich Histamin im Körper an. Damit verbunden können folgende Beschwerden auftreten:

  • Kopfschmerzen und Migräne, Schwindel, Hitzegefühl
  • Laufende Nase
  • Atemwegsbeschwerden bis zu Asthmaanfällen
  • Herzrhythmusstörungen, schneller Pulsschlag
  • Magen und Darmbeschwerden
  • niedriger Blutdruck
  • Juckreiz, Hautrötungen und Quaddelbildung
  • Regelschmerzen
  • Schlafapnoe in der Nacht, führend zu häufigem Sekundenschlaf (auch während der Autofahrt!)

Verschiedene Formen der Histaminintoleranz

  • angeborene (primäre) Form - extrem selten, bleibt ein Leben lang bestehen.
  • erworbene Form - z.B. kann es während eines Infektes der Darmschleimhaut vorübergehend zum DAO-Mangel kommen, nach Abheilen des Infektes normalisiert sich die Enzymaktivität
  • erworbene Form unklarer Ursache Medikamente, die die DAO-Aktivität herabsetzen Konsum größerer Mengen histaminreicher Lebensmittel und alkoholischer Getränke oder Lebensmittel mit einem Gehalt an anderen biogenen Aminen wie Phenylethylamin, Tyramin oder Serotonin.

Diagnose der Histaminintoleranz

Die Diagnose der Histaminintoleranz stellt sowohl für den Arzt als auch für den Patienten eine Herausforderung dar. An erster Stelle steht immer eine ausführliche Anamnese, also ein Gespräch, bei der dem Patienten folgende Fragen gestellt werden:

  • Unverträglichkeiten von Rotwein und anderen alkoholischen Getränken?
  • Unverträglichkeiten von Hartkäse, Sauerkraut, geräucherten Wurstwaren, Tomaten (-produkten), Thunfisch, Schokolade?
  • Häufiges Kopfweh oder Migräne?
  • Magen-Darmbeschwerden wie weicher Stuhl und Durchfälle über längere Zeit?
  • Niedriger Blutdruck?
  • Juckreiz oder Hitzewallungen?
  • Herzprobleme wie erhöhter Pulsschlag oder Herzrhythmusstörungen?
  • Starke Schmerzen am ersten Tag der Regel?

Kann der Patient auf zwei oder mehr dieser Fragen mit ja antworten, so ist der klinische Verdacht einer Histamin-Abbaustörung gerechtfertigt. In diesem Fall sollte zunächst eine Eliminationsdiät für 4 Wochen (s.u.) durchgeführt werden und ggf. ergänzende Blutuntersuchungen erfolgen zur Abklärung von:

  • einer verminderten Diaminoxidase-Aktivität und/oder
  • einem erhöhten Histaminspiegel im Blut und/oder
  • einem verminderten Vitamin B6-Spiegel (das Enzym Diaminoxidase benötigt Vitamin B6).

Die klassische Konstellation einer Histaminintoleranz besteht daher aus einem erhöhten Histamin-Spiegel sowie einem erniedrigten DAO- bzw. Vitamin B6-Spiegel. Diese Konstellation findet man jedoch relativ selten. Oft sind nur einer oder zwei Parameter verschoben, oder es liegen grenzwertig veränderte Werte vor.

Für möglichst genaue Ergebnisse sollten die Blutuntersuchungen im Anschluss an eine histaminreiche Nahrungsmittelzufuhr erfolgen.

Zusätzlich sollte ein Ernährungs-Symptomtagebuch geführt werden, in dem verzehrte Lebensmittel, eingenommene Medikamente und aufgetretene Beschwerden mit Angabe der Uhrzeit aufgelistet werden.

Die Diagnose wird letztendlich durch die sog. "Eliminationsdiät" bestätigt (Symptome sind wichtiger als Laborwerte). Dabei verzichtet der Patient rund vier Wochen auf Lebensmittel, die reich an biogenen Aminen sind. Bei einer Histaminintoleranz tritt eine rasche Besserung der Symptome ein.

In welchen Lebensmitteln kommen Histamin und andere biogene Amine vor?

Biogene Amine wie auch das Histamin entstehen vor allem, wenn Lebensmittel reifen!

Wie oben schon kurz beschrieben enthalten manche Lebensmittel viel Histamin aufgrund der Weiterverarbeitung, Haltbarmachung und Reifung durch Mikroorganismen sowie durch natürliche Alterungsprozesse. Ausgangsprodukt für Histamin ist die Aminosäure Histidin, die in allen tierischen und pflanzlichen Eiweißen vorkommt. Durch einen chemischen Umwandlungsprozess entsteht aus Histidin Histamin. Dies zeigt auch auf, dass Histamin kein Lebensmittelzusatz ist, sondern dass alle Lebensmittel, bei deren Erzeugung und Reifung Mikroorganismen direkt oder indirekt beteiligt sind, in der Regel reich an Histamin sind.

Zu diesen Nahrungsmitteln zählen alle vergorenen Nahrungsmittel, z.B. Milchprodukte (Käse), Sauerkraut, Wein und Bier, Essig, Sojasauce und auch Fleischprodukte, die durch Trocknung von gesalzenem/geräuchertem rohem Fleisch hergestellt werden, z.B. Rohwürste (Salami) und Rohschinken. Bei letzterem sind Mikroorganismen wie Laktobazillen an der Aromabildung und Haltbarmachung beteiligt.

Mit zunehmender Reifezeit und Lagerdauer steigt der Histamingehalt in Nahrungsmitteln an.

Dabei gibt es eine Faustregel, die besagt, dass sehr lange gelagerte Produkte besonders viel Histamin enthalten. Hieraus wird auch ersichtlich, dass die Histaminwerte eines Nahrungsmittels enormen Schwankungen unterworfen sein können, z.B. schwankt der Histamingehalt von Emmentaler zwischen <0,1 mg/kg und 2500 mg/kg. Somit kann ein Nahrungsmittel mit sehr niedrigen Histaminwerten bis hin zur "Histaminbombe" werden, die nicht mehr zum Verzehr empfohlen werden kann!

Eklatant hohe Histaminwerte sind ein sicherer Hinweis für den kompletten Verderb des Lebensmittels. Einmal kann der Grund mangelnde Hygiene bei der Lebensmittelverarbeitung sein oder die Verwendung ungünstiger Bakterien- oder Hefestämme.

Nicht zu vergessen sind auch der Frischegrad des Ausgangsproduktes sowie dessen Keimgehalt, z.B. bei Milch zur Käseherstellung. Rohmilchkäse haben durch die natürliche Mikroflora der Rohmilch höhere Histaminwerte als Käse, der aus pasteurisierter Milch hergestellt wird.

Zudem können extrem hohe Histaminwerte die Folge unsachgemäßer Aufbewahrung bzw. Nachreifung im privaten Haushalt oder im Lebensmittelgeschäft sein. Auch ein frisch zubereitetes histaminarmes Essen kann durch Lagerung und wieder Aufwärmen zu einem histaminreichen Essen werden! Besonders anfällig bei unsachgemäßer Lagerung sind histidinreiche Fische und Meeresfrüchte (Muscheln, Krebse, Tintenfische, Thunfisch, Makrele, Sardellen), und die typische "Fischvergiftung" ist wohl vielfach eine "Histaminvergiftung".

Voraussetzung für niedrige Histaminwerte bei frischem Fisch sind eine optimale kontinuierliche Kühlung und eine rasche Verarbeitung, um Bakterien keine Wachstumsmöglichkeiten zu geben.

Außerdem muss unbedingt erwähnt werden, dass Histamin thermostabil ist, also weder durch Tiefkühlen noch durch Erhitzen zerstört werden kann.

Grundsätzlich ist noch festzuhalten, dass "biologisch" hergestellte Nahrungsmittel nicht weniger Histamin enthalten als industriell hergestellte. Die kontrollierten Hygienebedingungen sowie die Verwendung von Reinzuchthefen bzw. -bakterien in Großbetrieben vermindern das Risiko unerwünschten mikrobiellen Wachstums und damit verbunden verstärkter Histaminproduktion.

Histaminreiche Lebensmittel

Fisch- und Fischwaren

  • Geräucherte, gesalzene oder marinierte Fische
  • Fischkonserven, insbesondere Thunfisch, Makrele, Rollmops, Sardine, Sardelle. Hering
  • Frischer Fisch: Thunfisch aus warmen Gewässern bietet gute Wachstums-Bedingungen für Bakterien, Meeresfrüchte

Fleisch- und Fleischprodukte

  • Geräucherte. gepökelte oder getrocknete Fleischwaren
  • Fleisch- und Wurstkonserven
  • Rohwürste und Rohschinken wie Salami, Cervelatwurst, Landjäger, Mettwurst, Parmaschinken, Bündner Fleisch, Speck Innereien

Milch- und Milchprodukte

  • alle Käsesorten, je höher der Reifegrad, desto höher der Histamingehalt: Bergkäse, Parmesan, Roquefort, Brie, Camembert, Harzer, Emmentaler, alter Gouda, Schimmelkäse, Romadour, Rohmilchprodukte

Gemüse

  • Sauerkraut, Spinat, Tomate, Aubergine, Avocado
  • Hülsenfrüchte (Bohnen, Kichererbsen, Sojabohnen, Erdnüsse)
  • Tomatenmark, Tomatenketchup, Essigsaures Gemüse (eingelegtes), Essiggurken
  • Soja, Sojaprodukte (Sojamilch, Tofu), Keime, Sprossen

Obst

  • Ananas, überreife Bananen, Birnen, Erdbeeren, Grapefruit, Himbeeren, Kiwi, Orangen, Papaya, alle Zitrusfrüchte, Pflaumen
Nüsse
  • Cashewnüsse, Walnüsse

Brot,- Backwaren und Getreideprodukte

  • alle Produkte mit Hefe, Backpulver und Natron Kuchen, Gebäck, Süßigkeiten mit Hefe

Sonstiges

  • Tafelessig, Rotweinessig
  • Hefe, Hefeextrakte, Hefepasten (z.B. vegetarische Aufstriche)
  • Kakao, Schokolade, Nougat, Marzipan
  • Süßwaren, Knabbergebäck mit Konservierungsstoffen und/oder Farbstoffen
  • Scharfe Gewürze (begünstigen die Histaminaufnahme im Darm)

Getränke

  • Alkoholika: Rotwein, Weißwein, säurearme Weine, Sekt, Bier (hauptsächlich obergäriges)
  • Kakao, heiße Schokolade
  • Sauerkrautsaft, Tomatensaft, Obstsäfte (aus o.g. Obstsorten)

Histaminarme Lebensmittel

Fisch- und Fischwaren

  • fangfrischer, kontinuierlich gekühlter Fisch
  • tiefgekühlter Fisch (u.a. Fischstäbchen)

Tipp: auf frische Ware achten, ununterbrochene Kühlung (Kühlkette) und sorgfältige Verpackung!

Fleisch- und Fleischprodukte

  • frisches und tiefgekühltes Fleisch
  • Frischwurst (Fleischwurst, Bierschinken)

Tipp: immer frisch zubereiten ohne lange Lagerung, geöffnete Wurstverpackung stets luftdicht verschließen, keine zubereiteten Speisen aufwärmen - "immer frisch auf den Tisch"

Eier

  • Frühstücksei, Spiegelei, Rührei

Milch- und Milchprodukte

  • Frischkäse, Quark, Joghurt, Frischmilch, H-Milch, pasteurisierte Milch, Buttermilch, Rahm, Sahne, junge Käsesorten (Gouda, Butterkäse), laktosefreie Milchprodukte (Minus-L Produkte)

Tipp: kurze Aufbewahrungszeiten und luftdichte Verpackung, in kleinen Packungen besorgen

Gemüse

  • Frisches Gemüse und/ oder Tiefkühlware: Salat, Kohlsorten, Rote Beete, Kürbis, Zwiebel, Radieschen, Rettich, Paprika, Karotten, Brokkoli, Kartoffeln, Gurke, Lauch, Zucchini, Mais, Spargel, Knoblauch, Rhabarber, Sellerie

Tipp: zum Anmachen von Salatsoßen nur Apfelessig oder Essigessenz verwenden + Pflanzenöl, Kräuter und Gewürze

Beilagen

  • Kartoffeln, Reis, Nudeln

Obst

  • frisch, Tiefkühlware: Äpfel, Aprikosen, Melone, Heidelbeeren, Preiselbeeren, Litschi, Mango, Kaki, Kirschen, Johannisbeeren

Brot,- Backwaren und Getreideprodukte

  • Brot und Backwaren aus Sauerteig
  • Hefefreie Brot- und Backwaren, wie z. B. manche Knäckebrote
  • Geeignete Getreidearten: Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Mais, Reis

Tipp: Immer eine neue Sorte zufügen und abwarten, wie die Sorte vertragen wird.

Sonstiges

  • Apfelessig, Essigessenz
  • Pflanzenöle, milde Gewürze, Kräuter

Getränke

  • Wasser, Kaffee, Tee
  • Traubensaft, Apfelsaft
  • Untergäriges Bier, klare Schnäpse (Wodka, Rum) in kleinen Mengen

Histaminliberatoren
(Lebensmittel, die Histamin im Körper freisetzen)

  • Zitrusfrüchte (z.B. Orange, Grapefruit)
  • Ananas, Bananen, Birnen, Pflaumen -> sehr reife Früchte
  • Papaya, Kiwi, Erdbeeren, Himbeeren
  • Fruchtsäfte
  • Nüsse (Walnüsse, Cashewkerne)
  • Tomaten Hülsenfrüchte, Weizen keime
  • Avocado, Champignons
  • Kakao, Schokolade
  • Zusatzstoffe: Glutamat, Benzoate (Konservierungsstoffe), Farbstoffe, Sulfite, Nitrite

DAO (Diaminoxidase)-blockierende Lebensmittel

  • Alkohol
  • Kakao
  • Schwarzer, Grüner Tee, Mate-Tee
  • Energy Drinks (Zusatzstoff Theobromin)

Zusatzstoffe mit Histamin

  • Farbstoffe: Tartrazin (E102), Chinolingelb (E 104), Gelborange S (E110), Azorubin (E122), Amaranth (E123), Cochenillerot A (E124), Erythrosin (E127)
  • Konservierungsstoffe: Sorbinsäure und Salze (E200-203), Benzoesäure und Salze (E 210-213), PHB-Ester (E 220-227), Oiphenyl und Ortaphenyl (E 231-232), Thrabenrudazol (E 223)
  • Sonstige: Nitrate (E251- 252), Glutamate (E 620- 625)
  • Säureregulatoren (Oi-, Tri- und Polyphospahate)
  • Antioxidantien: Butylhydroxisol (BHA), -droxitoluol (BHT)

Medikamente, die die Aktivität des Enzyms Diaminooxidase hemmen

  • Acetylcystein (Schleimlöser)
  • Ambroxol (Schleimlöser)
  • Aminophyllin, z. B. in Myodardon, Euphyllin
  • Amitriptylin (Antidepressivum)
  • Chloroquin (Antirheumatikum)
  • Clavansäure (Antibiotikum)
  • Clavulansäure, z.B. in Augmentan
  • Cycloserin (Antibiotikum)
  • Metamizol (Schmerzmittel)
  • Metoclopramid (Magen-Darm-Mittel)
  • Propanidid (Narkosemittel)
  • Theophyllin (Asthmamittel)
  • Verapamil (Herz-Kreislauf-Mittel)

Medikamente, die Histamin freisetzen

    Meclofenaminsäure
  • Mefenaminsäure, z.B. in Parkemed
  • Diclofenac, z.B. in Deflamat, Diclobene, Voltaren, Neurofenac
  • Naproxen, z.B. in Proxen, Miranax
  • Acetylsalicylsäure, z.B. in Aspirin
  • Röntgenkontrastmittel
  • Opiate
  • Muskelrelaxantien
  • Lokalanästhetika, z.B. Prilocain

Wirkung von Medikamenten auf den Histaminabbau

Schmerzhemmende Medikamente mit folgenden Wirkstoffen hemmen die allergenspezifische Histaminfreisetzung bei Allergikern und sind daher für diese gut geeignet:

  • Mexalen, Seractil, Fenbufen, Levamisol, Ibuprofen

Histamin (H1-)-Rezeptorenblocker bewirken eine bessere Verträglichkeit von Histamin (sei es durch die Zufuhr aus Lebensmitteln oder Bildung im Körper durch allergische Reaktionen).

Therapie

Ernährung

Vermeidung histaminhaltiger und Bevorzugung histaminarmer Lebensmittel, Meiden von Histaminliberatoren.

Tagebuchführung: Symptome nach den Mahlzeiten?

Antihistaminika

Diese Medikamente verhindern, dass das freie Histamin im Gewebe "andockt" und Beschwerden auslöst. Prophylaktisch aber auch therapeutisch bei eingetretenen Symptomen (wenn sich der Verzehr von histaminhaltigen Nahrungsmitteln nicht vermeiden lässt) sind Antihistaminika wirksame Medikamente!

Vitamin C und B6

In Einzelfällen kommt es zu einer Symptomverbesserung

Vitamin C: 1-3 g täglich soll den Histaminspiegel senken

Vitamin B6: Soll als Coenzym von DAO wirken.

Bei nachgewiesenem B6-Mangel ist eine Substitution von 0,5 mg pro Tag/kg Körpergewicht sinnvoll. Bei eiweißreicher Ernährung erhöht sich auch der Vitamin B6-Bedarf, da zum Abbau von Protein Vit. B6 gebraucht wird.

Cromoglycinsäure (DNCG)

Bewirkt eine Reduktion der Gewebshistaminspiegel und der Histaminfreisetzung. Vor allem Symptome des Magen-Darm- Trakts wie Bauchschmerzen und Blähungen (Flatulenz) sowie Migräne sind gut mit DNCG zu beeinflussen.

DAO-Ersatz

Es ist noch kein Medikament bekannt. welches die Diaminooxidase deutlich erhöht. Das Nahrungsergänzungsmittel PeiLind enthält Schweinenierenextrakte, die auch Diaminooxidase enthalten sollen. Durch einen säurefesten Überzug geschützt soll das Enzym im Darm freigesetzt werden und überschüssiges Nahrungshistamin abbauen. Studienergebnisse von 2006 zur Wirksamkeit gegen Symptome der Histaminintoleranz müssen noch abgewartet werden. Ob das Enzym im Darm aktiv sein kann, und ob Schweinenierenextrakte überhaupt DAO in ausreichend hoher Konzentration enthält, ist als zweifelhaft anzusehen.

Tagesbeispiel

Frühstück/Abendessen

Getränke: Tee, Kaffee (Milch, Zucker), Saft (erlaubte Sorten)

Reines Sauerteig Brot/Brötchen (ohne Hefe), Knäckebrot ohne Hefe

Müsli (mit einer Getreidesorte, z.B. Hafer, beginnen)

Streichfett (Butter, Margarine)

Käse (Frischkäse, junge Käsesorten, z.B. Butterkäse)

Milch- und Milchprodukte (Milch, Buttermilch, Joghurt (ohne Zusatzstoffe), Quark, Sahne, Saure Sahne, Creme fraiche, Kefir, Dickmilch)

Wurstwaren (Frischwurst, z.B. Fleischwurst, Bierschinken; Bratenaufschnitt)

Honig, Rübenkraut

Konfitüre (z.B. Aprikosen-, Kirsch-, Apfel-, Johannisbeerkonfitüre)

Salat/Rohkost: erlaubte Sorten (Dressing: Öl, Apfelessig oder Essigessenz, Gewürze/Kräuter)

Zwischenmahlzeit oder Nachtisch

Obst (erlaubte Sorten): Obstsalat mit Joghurt

Quarkspeise mit Obst

Pudding (eigene Herstellung mit Vanilleschote, Puddingpulver ohne Zusatzstoffe)

Müsli

Kompott (von den erlaubten Sorten)

Kuchen/Gebäck ohne Backpulver und Hefe (z.B. Biskuitteig, Rührteig, Quark-Ölteig)

Mittagessen

Beilage: Kartoffeln (Bratkartoffeln, Ofenkartoffeln, Kartoffelsalat), Reis, Nudeln

Gemüse: erlaubte Sorten (Kohlsorten, Rote Beete, Kürbis, Lauch, Zwiebel, Knoblauch, Karotten, Radieschen, Paprika, Brokkoli, Gurke, Mais, Zucchini, Spargel, Rhabarber, Sellerie) in Butter, Margarine oder Öl gedünstet oder mit Mehlschwitze verfeinert

Salat/Rohkost: erlaubte Sorten (Dressing: Öl, Apfelessig oder Essigessenz, Gewürze/Kräuter)

Ei: Rührei, Spiegelei, Omelette, Ei zum Legieren und für Aufläufe

Fisch/Krusten- und Schalentiere: fangfrischer oder Tiefkühlfisch (alle Sorten außer Thunfisch, Makrele, Sardellen; Muscheln, Krebse, Tintenfische)

Fleisch: Alle Sorten (ohne Pökel- und Räucherware), frisch oder tiefgekühlt

Soßen: selbst hergestellt aus Zwiebel, Knoblauch, erlaubten Gemüsesorten (z.B. Sellerie, Karotten, Lauch, Paprika)



Quellen: R. Jarisch: Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit, Thieme-Verlag 2004 Th. Schleip: Histamin-Intoleranz (Broschiert), Trias-Verlag H. Schmutz: Nahrungsmittelunvertraglichkeit (Histamin Intoleranz). HSC, Wien 2006 Wikipedia.de

Autor:

Dr. Bolz
Hauptstr. 62
45549 Sprockhövel
www.praxis-bolz.de