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Aufklärung zur Schutzimpfung Kinderlähmung (IPV)

Die Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine Viruskrankheit, die zu Lähmungen der Arme, Beine, der Atmung und auch zum Tod des Erkrankten führen kann; die Erkrankung wird durch eine Infektion mit Polioviren hervorgerufen. Der Name Kinderlähmung ist irreführend, denn auch Erwachsene können daran erkranken. Die meisten Kranken mit Lähmungen behalten Restschäden und sind damit lebenslang behindert. Es gibt keine Medikamente, mit denen die Poliomyelitis geheilt werden kann. Vor der Kinderlähmung schützt nur die rechtzeitig und konsequent durchgeführte Schutzimpfung!

Bis zur Einführung der Schutzimpfung gegen Kinderlähmung erkrankten in Deutschland in jedem Jahr mehrere Tausend Menschen an einer Kinderlähmung, von denen mehrere Hundert starben. Seit Einführung der Schutzimpfung vor mehr als 35 Jahren gingen die Erkrankungen an Poliomyelitis ständig zurück und seit vielen Jahren werden keine oder nur sehr wenige Erkrankungen an Kinderlähmung beobachtet. Diese wenigen Erkrankungen werden meist von ungeimpften Reisenden aus Ländern eingeschleppt. in denen die Kinderlähmung auch heute noch weit verbreitet ist.

1988 wurde von der Weltgesundheitsversammlung ein weltweites Programm zur Ausrottung der Kinderlähmung beschlossen. Seit dem ist die Anzahl der Poliofälle von geschätzten 350.000 auf unter 1 im Jahre 2001 gesunken, Weit verbreitet ist die Kinderlähmung vor allem noch in Indien und einigen angrenzenden Staaten sowie in verschiedenen Staaten Afrikas. Die aus diesen Ländern durch Reisende, rückkehrende Urlauber usw. eingeschleppten Krankheitserreger können sich in einer Bevölkerung, die nicht mehr gegen Kinderlähmung geimpft wird, sehr rasch ausbreiten und damit zu einen Wiederaufflackern der Erkrankung führen. Die Schutzimpfungen gegen Kinderlähmung müssen also auch heute und in Zukunft konsequent durchgeführt werden!

Es gibt zwei Impfstoffe zum Schutz vor Kinderlähmung: einen nicht mehr empfohlenen Lebendimpfstoff (Schluckimpfung) und einen Impfstoff aus inaktivierten (getöteten) Viren (Totimpfstoff) der gespritzt wird. Seit Anfang 1998 wird in Deutschland die Impfung gegen Kinderlähmung nicht mehr — wie früher üblich — mit dem Schluckimpfstoff durchgeführt, sondern mit dem Impfstoff aus inaktivierten Polioviren. Beide Impfstoffe sind gleich wirksam. Die Impfempfehlungen wurden geändert, da seit vielen Jahren keine Erkrankungen an Kinderlähmung in Deutschland aufgetreten sind, die durch hier erworbene Infektionen verursacht wurden. Außerdem sollen durch diesen Wechsel des Impfstoffes die äußerst selten im zeitlichen Zusammenhang mit der Schluckimpfung beim Geimpften (einmal nach 4,4 Millionen Impfungen) oder bei nichtgeimpften Kontaktpersonen des Impflings (einmal nach 15.5 Millionen Impfungen) beobachteten Lähmungen vermieden werden.

Impfstoff

Der Impfstoff gegen Kinderlähmung enthält abgetötete Polioviren, die beim Impfling eine Immunität gegen alle drei Poliovirustypen hervorruft. Der Impfarzt wird Ihnen mitteilen, wie viele Injektionen des Impfstoffes für einen Impfschutz erforderlich sind und in welchen Abständen diese Impfungen vorgenommen werden.

Außer diesem Impfstoff gegen Kinderlähmung stehen für Schutzimpfungen im Säuglings- und Kleinkindesalter Mehrfachimpfstoffe (sog. Kombinationsimpfstoffe) zur Verfügung, die nicht nur gegen Kinderlähmung, sondern gleichzeitig auch gegen andere Erkrankungen (z. B. Diphtherie, Wundstarrkrampf [Tetanus], Keuchhusten [Pertussis], Haemophilus influenzae Typ b [Hib] und Hepatitis B) schützen. Für diese Impfungen mit Kombinationsimpfstoffen im Säuglings- und Kleinkindesalter stehen eigene Aufklärungsblätter zur Verfügung.

Der Impfstoff gegen Kinderlähmung wird gespritzt (durch subkutane oder intramuskuläre Injektion verabreicht). Die Impfung gegen Kinderlähmung kann gleichzeitig mit anderen Impfungen vorgenommen werden.

Der früher verwendete Schluckimpfstoff wird nur noch auf besondere Anordnung der Gesundheitsbehörden (z.B. beim Auftreten gehäufter Erkrankungen an Kinderlähmung) eingesetzt.

Wer soll geimpft werden?

  1. Im Rahmen des Impfkalenders wird die Impfung gegen Kinderlähmung allen Jungen und Mädchen ab einem Alter von acht Wochen empfohlen. Dafür stehen die bereits genannten Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die gleichzeitig gegen andere Erkrankung schützen. Die einzelnen Dosen dieser Mehrfachimpfstoffe sollten möglichst früh im Säuglingsalter gegeben werden, d. h. am besten in einem Alter von zwei, drei und vier Monaten, gefolgt von einer Auffrischimpfung in einen Alter von 11 bis 14 Monaten, die den Impfschutz vervollständigt. Eine früher mit dem Schluckimpfstoff begonnene Impfserie kann mit dem Totimpfstoff weitergeführt werden.
  2. Zwischen den 9. und 18. Geburtstag wird für alle Jugendlichen eine Auffrischimpfung gegen Kinderlähmung mit Polio-Totimpfstoff empfohlen. Diese Impfung wird auch bei den Jugendlichen mit Polio-Totimpfstoff durchgeführt die bisher ausschließlich Polio-Lebendimpfstoff (Schluckimpfstoff) geimpft worden sind.
  3. Bei bisher nicht oder unvollständig gegen Kinderlähmung geimpften Erwachsenen werden die fehlenden Impfungen mit Polio-Totimpfstoff vervollständigt. Dies gilt auch für Erwachsene, die bisher nur mit Polio-Lebendimpfstoff (Schluckimpfstoff) geimpft wurden. In diesen Fällen wird Ihnen der Impfarzt mitteilen, wie viele Impfungen für einen vollständigen Impfschutz gegen Kinderlähmung erforderlich sind und in welchen Abständen sie durchgeführt werden sollen.
  4. Eine zusätzliche Impfung gegen Kinderlähmung ist bei zuvor vollständig gegen Kinderlähmung geimpften Personen nur dann erforderlich, wenn sie einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt sind und die letzte Impfung gegen Kinderlähmung mehr als zehn Jahre zurückliegt. Das gilt zum Beispiel vor Reisen in Länder, in denen die Kinderlähmung gehäuft auftritt oder vor einem beruflich bedingten Kontakt mit dem Polio-Erreger, z. B. im Labor. Vor Antritt einer Reise erkundigen Sie sich bei ihrem Hausarzt, beim Gesundheitsamt oder einer anderen reisemedizinischen Beratungsstelle, ob eine derartige Impfung empfohlen wird. Ihr Arzt kann anhand des Impfbuches auch überprüfen, ob Ihr Impfschutz vollständig oder ob eine Auffrischimpfung notwendig ist.

Wer soll nicht geimpft werden?

Wer an einer akuten, behandlungsbedürftigen Krankheit mit Fieber (über 38,5 °C) leidet, soll nicht geimpft werden. Die Impfung kann nachgeholt werden, sobald die Krankheitserscheinungen abgeklungen sind.

Sind nach einer früheren Impfung gegen Kinderlähmung mit Totimpfstoff Krankheitssymptome beim Impfling aufgetreten, so berät Sie der Impfarzt über die Möglichkeit einer Impfung gegen Kinderlähmung.

Mögliche Reaktionen

Selten kommt es an der Impfstelle zu einer Rötung und einer leichten Schwellung die innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder abklingen. Auch die sehr selten nach der Impfung beobachtete Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder auch eine leichte Temperaturerhöhung klingen nach wenigen Tagen wieder ab.

Impfkomplikationen

Sehr selten kann es durch eine Überempfindlichkeit gegen den Impfstoff zu einem Nesselfieber oder zu anderen allergischen Erscheinungen kommen, die nach kurzer Zeit wieder abklingen. Über bleibende Gesundheitsschäden nach einer Impfung mit Totimpfstoff gegen Kinderlähmung wurde bisher nichts bekannt.

Wenn Sie dennoch irgendwelche ungewöhnlichen Krankheitssymptome bei dem Geimpften beobachten so steht Ihnen der Impfarzt zur Beratung zur Verfügung.

Vor Durchführung der Impfung bitten wir Sie zusätzlich um folgende Angaben:
  1. Sind Sie (der Impfling) gegenwärtig gesund?
  2. Ist bei Ihnen (dem Impfling) eine Allergie bekannt?
  3. Traten bei Ihnen (dem Impfling) nach einer früheren Impfung allergische Erscheinungen, hohes Fieber oder sonstige ungewöhnliche Reaktionen auf?
Falls Sie noch mehr über die Schutzimpfung gegen Kinderlähmung wissen wollen, fragen Sie den Impfarzt!

Autor:

Dr. Bolz
Hauptstr. 62
45549 Sprockhövel
www.praxis-bolz.de