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Prostataerkrankungen – wie werden sie behandelt?

Konventionelle, neue und ergänzende biologische Therapien

Das Prostata-Karzinom ist die häufigste Tumorerkrankung bei älteren Männern. Jedes Jahr wird es in der BRD bei 25 000 von ihnen diagnostiziert, aber noch höher dürfte die Zahl derer sein, bei denen es nicht entdeckt wird und die damit bis ans Lebensende ohne ernsthafte Beschwerden leben. Verschiedene Eigenarten dieser Krebserkrankung führen bei Patienten und Ärzten oft zu Unsicherheiten darüber, wie die Bösartigkeit des Tumors einzuschätzen ist und wie am besten behandelt wird. Hinzu kommt, dass Prostatakrebs das Selbstwertgefühl des Mannes berührt.

Radikal oder abwartend behandeln?

Mit diesem Informationsblatt möchten wir Betroffenen einige wichtige Orientierungs- und Entscheidungshilfen geben. Es ist für Patienten und Therapeuten nicht leicht, den schmalen Weg zwischen radikaler oder abwartender Behandlung und der Erhaltung einer guten Lebensqualität zu finden. Mehr vielleicht als bei anderen Krebserkrankungen sollte der Patient in der Lage sein, mit dem Arzt gemeinsam abzuwägen und zu entscheiden, was therapeutisch geschehen soll.

Einerseits gilt das Prostatakarzinom im Frühstadium bei älteren Männern oft als relativ harmloser „Alterskrebs“ – andererseits kann es vor allem bei jüngeren Männern lebensbedrohlich sein. Schon 10 Prozent der 50jährigen erkranken daran, von den 60- bis 70jährigen Männern bis zu 40 Prozent. Meist entwickelt sich die Erkrankung langsam. Es dauert bis zu 15 Jahre, ehe ernste Beschwerden auftreten. Genaue Untersuchungen ergaben, dass schon viele jüngere Männer in ihrer Prostata mikroskopisch kleine Krebsherde haben, die aber bis ins hohe Alter im Ruhestand verharren.

Wie schwierig eine Therapieentscheidung werden kann, zeigt folgendes Beispiel: Werden Männer zwischen 60 und 70 Jahren gründlich untersucht, findet man bei 40 Prozent ein Karzinom, also bei 40 von 100 Männern. Bei 32 dieser 40 Betroffenen (80%) hat das Karzinom ein Volumen von weniger als einem halben Kubikzentimeter. Aufgrund der langsamen Wachstumsrate wird es im Leben dieser Patienten kaum noch bedrohlich werden. Eine Behandlung wäre nicht unbedingt nötig. 8 der 40 Betroffenen haben ein therapiebedürftiges Karzinom.

Unklare Ursachen

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind erst wenig aufgeklärt. Mit Sicherheit haben Entstehung und Wachstum mit dem Hormonhaushalt zu tun. So wie Östrogene den Brustkrebs fördern können, lassen männliche Hormone, die Androgene, das Prostatagewebe entgleisen. Gesichert ist eine genetische Veranlagung. Liegen im männlichen Verwandtenkreis Erkrankungen vor, erhöht sich das Krebsrisiko um das Fünffache. Sehr wahrscheinlich ist ein Zusammenhang mit der Ernährung, besonders, wenn sie viel Fett und wenig bioaktive Pflanzenstoffe enthält.

Erste Beschwerden sind sehr unspezifisch. Schwierigkeiten beim Wasserlassen, so genannte Miktionsstörungen, treten eher bei der benignen, also gutartigen Wucherung der Prostata (Hyperplasie) auf, die fast jeder ältere Mann hat. Oft liegen gutartige und bösartige Wucherungen zusammen vor.

Früherkennung – Diagnose

Zum gesetzlichen Vorsorgeprogramm gehört für Männer ab 45 Jahre die Palpation, das Abtasten der Prostata durch den Enddarm.

Ihr Nachteil: Der Finger des Arztes erreicht nur gut die Hälfte von möglicherweise gutartigen Wucherungen – und es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, zwischen gutartigen Hyperplasien und bösartigen Geschwülsten zu unterscheiden. Die Palpation alleine gibt also wenig brauchbare Erkenntnisse.

PSA-Bestimmung

Wird ein Knoten getastet, muss zur Abklärung weiter untersucht werden. Das geschieht durch die Bestimmung des PSA-Wertes. Das ist ein ziemlich zuverlässiger Tumormarker. Krankes Prostatagewebe scheidet ein Prostata-Spezifisches-Antigen (PSA) aus, das im Serum gemessen wird. Bei gesunden Männern liegt der Wert unter 4 ng/ml. Zwischen 4 und 10 ng/ml ergibt sich eine Grauzone. Die Erhöhung könnte auch anderweitig bedingt sein. Werte über 10 sind dagegen sehr tumorverdächtig. Da ein Gramm benignes Prostatagewebe den PSA-Wert um etwa 0,5 ng/ml erhöht, ein Gramm Tumorgewebe aber um 3,5 ng/ml, deutet bei hohen Werten vieles auf ein Karzinom hin. Allerdings können auch Entzündungen (Prostatitis) den PSA-Wert auf über 100 ng/ml steigen lassen und Krebs vortäuschen. Ergänzende Untersuchungen mit Ultraschall, Computertomographie und anderen bildgebenden Verfahren können weitere Hinweise geben, aber noch keine Klärung.

Die Bestimmung des PSA-Wertes ermöglicht auch eine ziemlich sichere Verlaufskontrolle während der Therapie.

Nach einer vollständigen Tumorentfernung durch den Chirurgen soll der PSA-Wert auf Null absinken. Ein Anstieg deutet einen Rückfall an. Der PSA-Befund kann zwar ziemlich sicher ein Tumorleiden anzeigen, gibt aber keinen Aufschluss über die Bösartigkeit, die Lage und die Ausdehnung des Karzinoms. Um diese und andere Eigenarten des Tumors zu klären, bleibt eine Gewebeentnahme durch eine Biopsie unerlässlich. Dabei werden 4 bis 6 Gewebeproben aus der Prostata herausgestanzt. Aus der Untersuchung des Gewebes lassen sich der Grad seiner Bösartigkeit sowie andere wichtige Rückschlüsse für die Therapieplanung ziehen.

Der Nachteil: Die Biopsie ist kein harmloser Eingriff. Es kann zu Blutungen kommen oder zu Infektionen. Seit Jahren kontrovers diskutiert wird die Frage, ob es bei der Biopsie zu einer Aussaat von Tumorzellen in den Körper kommen kann, die dann Metastasen bilden. Neue Untersuchungen machen es unwahrscheinlich.

Patient und Arzt stehen also im Bereich der Vorsorge und Früherkennung vor schwierigen Entscheidungen – besonders, wenn es sich um Männer ab etwa 70 Jahre handelt. Wem soll, wem kann man diese Untersuchung zumuten? Wenn es sich um einen langsam wachsenden

Krebs handelt, brächte die Früherkennung mit Biopsie für den Patienten kaum Vorteile, sondern eher körperliche und seelische Belastungen.

Vor einer Biopsie sollten die Patienten darum – so die Fachärzte – auf diese Konsequenzen hingewiesen werden, und sie soll nur mit ausdrücklichem Einverständnis des Patienten erfolgen. Vor Beginn einer Behandlung werden noch weitere Untersuchungen durchgeführt, vor allem, um eine mögliche Metastasierung zu erkennen. Dazu gehört immer ein Knochenszintigramm, da gestreute Tumorzellen bevorzugt Metastasen in den Knochen bilden können.

Die Behandlung und ihre Folgen

Die Therapie eines Prostatakarzinoms richtet sich vor allem nach seiner Ausdehnung, seiner Differenzierung und dem Alter des Patienten.

Bei älteren Männern wird – wenn möglich – zunehmend die Zehn-Jahres-Regel befolgt. Ab einem Alter von 70 bis 75 Jahren wird nicht mehr radikal behandelt. Hier setzt sich das „watchful waiting“ durch – abwarten und beobachten. Der PSA-Wert wird regelmäßig kontrolliert, eventuell kann eine Anti-Hormon-Behandlung durchgeführt werden. Bei jüngeren Männern sind verschiedene Therapieverfahren möglich.

Die Operation

Sie gilt als die sicherste Heilmethode. Dabei wird die gesamte Prostata mitsamt der Samenblase entfernt (Prostatektomie). Im Tumorstadium I und teilweise auch im Stadium II führt sie bei etwa 90 Prozent der Patienten zur Heilung. Sie kann jedoch Folgewirkungen haben. Bei etwa der Hälfte der Operierten kann eine Impotenz zurückbleiben, ein bis zehn Prozent der Patienten können danach Schwierigkeiten mit dem Wasserlassen haben (Inkontinenz).

Eine Operation ist meist nur sinnvoll, wenn der Tumor auf die Prostata begrenzt ist und die Kapsel noch nicht durchbrochen hat. Hat er diese Grenze überschritten und liegen Metastasen vor, wird meist nicht mehr operiert. Der Patient würde unnötig durch die Therapiefolgen belastet. Denn der weitere Verlauf der Erkrankung wird weniger vom Tumorgewebe in der Prostata bestimmt, als von den Metastasen.

Die Bestrahlung

Sie gilt als mögliche Alternative zur Operation. Sie kann von außen erfolgen oder auch von innen, durch Einlagerung von radioaktiven Partikeln in die Prostata (Brachytherapie). Beide Methoden können kombiniert werden.

Die Therapiefolgen sind geringer als bei der Operation. Die Potenz wird seltener beeinträchtigt. Dagegen treten Störungen beim Wasserlassen häufiger auf, es kann zu chronischen Strahlenschäden kommen, an Blase oder Harnleiter mit Entleerungsstörungen oder am Darm mit Durchfällen, Verstopfungen.

Auch die Strahlenbehandlung wird meist nur in den Anfangsstadien I und II durchgeführt, wenn noch keine Metastasen vorliegen.

Zur Potenz ist zu sagen: Die Lust (Libido) und das Gefühl bis hin, einen Orgasmus erleben zu können, bleibt erhalten. Beeinträchtigt wird nur die Fähigkeit zur Gliedversteifung. Diese kann durch medikamentöse Erektionshilfen wie z. B. die Potenzpille Viagra® oftmals behoben werden.

Hormonbehandlung

Liegen schon bei der Diagnose Metastasen vor, oder treten sie nach einer Operation später auf, gilt die Hormonbehandlung als Therapie der Wahl. Da fast alle Prostatakarzinome hormonabhängig wachsen, kann ihr Fortschreiten durch einen Hormonentzug gestoppt oder gebremst werden. Es gilt, die männlichen Androgene, hauptsächlich Testosteron, auszuschalten. Sie werden hauptsächlich von den Keimdrüsen (Hoden) produziert. Diese Hormonbehandlung kann chirurgisch und/oder chemisch erfolgen. Beides bedeutet eine Kastration.

Bei der chirurgischen Kastration werden die Hoden entfernt, die so genannte Orchiektomie. Das gilt als sicherste Hormonblockade. Bei der chemischen Kastration wird die Wirksamkeit der Androgene durch Gegenmittel vermindert oder aufgehoben. Die Wachstumsimpulse für die bösartigen Prostatazellen bleiben aus. Die Antiandrogene heben die Wirkung der körpereigenen Androgene auf.

Die Blockade der Androgene durch die weiblichen Östrogene wird seltener durchgeführt. Sie können zu Thrombosen (Adernverstopfung) und Herzinfarkten führen.

Die Hormonbehandlung erfolgt, wenn der Tumor fortgeschritten ist, also die Prostatakapsel durchbrochen und in den Körper hinein gestreut hat. Dadurch kann das weitere Fortschreiten des Krebswachstums für kürzere oder längere Zeit gestoppt werden. Oft kommt es auch zu Rückbildungen des Tumors.

Die Hormontherapie ist die wirksamste Behandlung von Metastasen. Mit zunehmender Dauer der Behandlung reagieren die Krebszellen jedoch immer weniger auf den Hormonentzug. Das ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Durch PSA-Messungen lässt sich das kontrollieren.

Um diese Stillstandzeit beim Tumorwachstum möglichst lange auszudehnen, kann man die Hormonbehandlung mit Pausen durchführen, intermittierend. Die Hormone werden gegeben, bis der PSA-Wert in den Normalbereich absinkt. Dann wird die Behandlung

solange eingestellt, bis der PSA wieder zu steigen beginnt und fortgeführt, bis er wieder absinkt.

Die Nebenwirkungen der Hormonbehandlung sind bei allen Mitteln und Methoden ähnlich. Sie führt zu einem Verlust der Libido und der Potenz. Es kann zu einer Art Wechseljahrsbeschwerden kommen, z. B. von Hitzewallungen oder Antriebsschwäche.

Eine Chemotherapie zeigt bei dem relativ langsam wachsenden Prostatakarzinom kaum eine Wirkung. Sie wird nur versucht, wenn die Hormonbehandlung keine Wirkung zeigt.

Alternative Therapien

Wegen der belastenden Nebenwirkungen von Operation oder Bestrahlung suchen die Ärzte seit Jahren nach sanfteren Behandlungsmethoden. Hoffnungen werden dabei vor allem auf die Hyperthermie oder die Vereisung gesetzt.

Bei der Prostata-Hyperthermie wird das entartete Gewebe einer starken Überhitzung ausgesetzt, bis auf 50, 60 oder noch mehr Grade. Das geschieht durch Mikro- oder Radiowellen oder auch durch Laserstrahlen. Durch die Harnröhre wird eine Sonde in die Prostata eingeschoben, die diese Strahlen aussendet. Das erhitzte Gewebe stirbt ab.

Durch diese Behandlung können Therapiefolgen wie Impotenz oder Inkontinenz weitgehend vermieden werden. Sie ist nach den bisherigen Erfahrungen jedoch nur bei kleinen, auf den Kern der Prostata beschränkten Wucherungen hilfreich. Tumorzellen im Außenbereich der Drüse werden kaum beeinträchtigt.

Die Behandlung kann ambulant durchgeführt werden. Bei regelrechter Anwendung hat sie kaum gravierende Nebenwirkungen. Die Kosten werden von den Kassen nicht erstattet. Sie liegen je nach Praxis zwischen 1800 und 2600 Euro. Die Vereisung ist eine andere Methode, den Prostatakrebs im Anfangsstadium zu beseitigen. Eine Sonde wird in die Prostata eingeführt. Durch diese wird flüssiger Stickstoff mit einer Temperatur von minus 160 Grad geleitet. In wenigen Minuten gefriert das umliegende Gewebe zu einem Eisblock. Die Zellen sterben ab und werden abgebaut. Schwere Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Beide Behandlungsformen sind noch experimentell. Es fehlt an langfristigen Erfahrungen. Die Therapien könnten bei älteren Patienten nützlich sein.

Metastasen-Behandlung

Da das Prostatakarzinom erst relativ spät Beschwerden verursacht, wird die Diagnose häufig erst gestellt, wenn der Tumor schon fortgeschritten ist. Bei etwa einem Drittel der Patienten hat der Krebs schon die Kapsel überschritten und es muss mit Metastasen gerechnet werden.

Werden Metastasen festgestellt, kann auf eine Operation oder Bestrahlung verzichtet werden. Man beginnt mit einer Hormonbehandlung.

Knochenmetastasen können zusätzlich mit anderen Mitteln behandelt werden. Bremsend und schmerzlindernd wirken direkte Bestrahlungen und Mittel mit Bisphosphonaten als Wirkstoff. Knochenmetastasen lassen sich auch durch Alkohol veröden. 96prozentiges Ethanol wird direkt in einzelne Geschwülste gespritzt. Sie sollten nicht größer als ein bis zwei Zentimeter sein. In fast allen Fällen kommt es zu einer schnellen und erheblichen Linderung von Schmerzen. Kleinere Metastasen sterben ab.

Ergänzende Therapien

Zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte, zur Verminderung von Nebenwirkungen einer Strahlentherapie und zur Verbesserung der Lebensqualität sollen von Anfang an ergänzende Behandlungen zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte mit Mistel- oder Thymusinjektionen durchgeführt werden, zusammen mit Selen und den antioxidativen Vitaminen A (bzw. Beta-Karotin), C und E. Vitamin D3 wirkt günstig, da es die Apoptose, den Selbstmord kranker Prostatazellen auslösen kann. Auch Lebertran enthält dieses Vitamin konzentriert, sonst in Milch und Eiern. Gefördert wird die Bildung von Vitamin D im Körper durch kurze Sonnenbäder.

Eine Sauerstoff-Therapie erhöht die Wirksamkeit von Bestrahlungen und mindert deren Nebenwirkungen.

Ernährung zur Vorbeugung und als Heilhilfe

Prostatakrebs ist in den wesentlichen Industrieländern sehr viel häufiger als in Ostasien. Das wird auf Sojaprodukte in der Ernährung zurückgeführt. Eine fettreiche, faserarme Kost sowie hoher Fleischverzehr fördern die Entstehung und Ausbreitung. Bemerkenswert ist der Schutzeffekt von bioaktiven Pflanzenstoffen. Besonders wirksam sind dabei die Phytohormone, wie sie vor allem in Sojabohnen oder Leinsamen vorkommen. Die Ernährung sollte sich den ostasiatischen Kostformen annähern. Es gibt auch Nahrungskonzentrate aus Soja oder Tofu. Eine starke krebshemmende Wirkung wird Tomaten nachgesagt. Schon drei bis vier Tomaten täglich können das Erkrankungsrisiko reduzieren. Die roten Schutzstoffe sind auch in Ketchup, Säften oder Tomatenmark enthalten.

Tumormarker

Tumormarker sind biochemische Substanzen, die von Krebszellen vermehrt abgesondert werden. Durch spezielle Untersuchungen lassen sie sich im Blut oder im Urin nachweisen. Die Hoffnung, durch entsprechende Untersuchungen Krebsgeschwülste noch im Anfangsstadium zu entdecken, hat sich bisher nicht erfüllt. Eine Krebsfrüherkennung ist – mit wenigen Ausnahmen – nicht möglich. In der Regel können Tumormarker nur als ergänzende Diagnosemethode und zur Therapiekontrolle bei bestehenden Erkrankungen genutzt werden. In der Nachsorge können sie frühzeitige Hinweise auf einen Rückfall geben.

Die Aussagekraft von Tumormarkern ist aus verschiedenen Gründen begrenzt:
  • Meist sind die Marker Substanzen, die auch von gesunden Zellen abgesondert werden, allerdings in geringeren Mengen.
  • Fast alle Marker sind nicht „tumorspezifisch“, sie treten nicht nur bei einer Krebsart auf, sondern mit unterschiedlicher Genauigkeit bei anderen. Sie können daher als Test bei mehreren Krebsarten eingesetzt werden – je nach ihrer Aussagekraft als 1. oder 2. Wahl.
  • Eine Erhöhung der Messwerte für Tumormarker kann häufig auch bei gutartigen Erkrankungen (Entzündungen), bei bestimmten Therapien oder durch andere Einflüsse (Ernährung) eintreten. So ist zum Beispiel der CEA-Spiegel im Blut von Rauchern bis zum Fünffachen des Normalwertes erhöht. Entzündungen der Prostata lassen den PSA-Wert von normal 4 auf über 10 ansteigen. Auch gutartige Wucherungen (Adenome) erhöhen den PSA-Wert deutlich.
  • Die Absonderung von Markersubstanzen kann selbst bei Tumoren gleicher Art unterschiedlich hoch sein.
  • Zur Messung ausreichende Mengen werden oft erst von größeren Tumoren abgesondert. Kleine Tumore oder Mikrometastasen sind daher häufig nicht messbar. Selbst größere Tumormassen werden mitunter nicht angezeigt.
  • Die Messergebnisse können je nach dem angewendeten Testverfahren von Labor zu Labor unterschiedlich ausfallen.
  • Diese und andere Fehlerquellen bei der Messung führen dazu, dass die Ergebnisse äußerst kritisch beurteilt werden müssen. Der Anteil falsch-positiver oder falsch-negativer Messwerte ist teilweise sehr hoch. Bei einzelnen Tumormarkern liegt die Fehlerquote bei über 50 Prozent. Falsch-positiv bedeutet, dass ein Krebsgeschehen angezeigt wird, das nicht vorhanden ist. Unnötige und belastende Untersuchungen wären die Folge. Schlimmere Folgen ergeben falsch-negative Befunde. Der Marker zeigt einen bestehenden Krebs nicht an. Patient und Arzt wiegen sich in einer Sicherheit, die verhängnisvoll sein kann.

Wann sind Tumormarker geeignet?

Vorsorge und Erstdiagnose

Mit wenigen Ausnahmen eignen sich Tumormarker nicht zur Früherkennung. Ausnahmen: Prostata-Krebs wird durch den PSA-Marker schon im Frühstadium mit einer Sicherheit von 95 Prozent angezeigt.

Sinnvoll können regelmäßige vorbeugende Untersuchungen durch Marker bei Risikopatienten sein, bei Personen mit bestimmten Krankheiten, die zu Krebs führen können. Angeraten werden sie bei Leberentzündung (Hepatitis) und Leberzirrhose mit dem Marker AFP sowie bei Prostatabeschwerden mit PSA. Auch für einige sehr seltene Tumorarten gibt es spezielle Untersuchungsmethoden.

Therapie und Nachsorge

Am besten haben sich Tumormarker zur Therapiekontrolle bewährt. Ein Ansteigen oder Abfallen der Messwerte sagt einiges darüber aus, ob die Therapie erfolgreich war oder ob sich ein Rückfall anbahnt. Darum wird fast immer vor Beginn einer Behandlung der für die vorliegende Krebsart aussagefähigste Marker gemessen und danach kontrolliert.

Fallen die Markerwerte innerhalb von vier bis acht Wochen nach der Therapie auf Normalwerte ab, kann davon ausgegangen werden, dass die Behandlung wirksam war und die Geschwulst weitgehend oder ganz beseitigt wurde. Eventuell verbliebene Tumorreste oder Mikrometastasen werden jedoch nicht angezeigt, so dass eine endgültige Aussage über den Therapieerfolg nicht möglich ist.

Ist der Abfall der Werte nur kurzfristig und steigen bald wieder an, deutet es darauf hin, dass die vorgegangene Behandlung nur wenig wirksam war.

Steigen die Werte während einer Therapie kurzfristig stark an, kann es ein Hinweis dafür sein, dass die Geschwulst zerfällt. Dann werden mehr Erkennungsstoffe als sonst freigesetzt.

Steigen die Werte nach Monaten oder Jahren wieder an, deutet das auf einen Rückfall hin, auf ein örtliches Rezidiv oder Metastasen.

In der Nachsorge werden regelmäßige Messungen der Tumormarker neuerdings zurückhaltender als vor einigen Jahren durchgeführt. Zwar zeigen die Messwerte bei einigen Krebserkrankungen einen Rückfall zwei bis sechs Monate früher als durch andere Untersuchungen an, aber auch das mit Ungenauigkeiten. Namhafte Onkologen plädieren dafür, Messungen von Tumormarkern nicht routinemäßig durchzuführen. Man möchte den Betroffenen die mit jeder Untersuchung verbundenen Ängste und Aufregungen ersparen. Gemessen werden soll der Wert nur noch dann, wenn es andere Anzeichen für einen Rückfall gibt und wenn durch die Messung eine aussichtsreiche Therapie ermöglicht wird. Diese allgemeinen Richtlinien für die Nachsorge werden von Ärzten unterschiedlich gehandhabt. Oft wünschen Patienten selbst die Untersuchung.

Aber auch wenn konventionelle Therapien wie Operation oder Chemotherapie nicht mehr möglich oder wenig sinnvoll sind, können rechtzeitig erkannte Rückfälle wertvoll für den Patienten sein. Ganzheitlich behandelnde Ärzte können dem Patienten Therapieangebote machen, die zur Erhaltung der Lebensqualität und möglicherweise auch zu einer Lebensverlängerung führen. Neue Therapien wie die Tumorimpfung oder eine Hyperthermie ermöglichen oft auch in fortgeschrittenen Krankheitsstadien noch aussichtsreiche Behandlungen. Sie können dem Patienten zu lange anhaltenden Rückbildungen und zu beschwerdefreien Zeiten verhelfen.

Bei der Bewertung der Messwerte ist große Vorsicht geboten. Eindeutige Aussagen ergeben sich bei Nachsorgeuntersuchungen meist erst aus einer Verlaufskontrolle. Ziemlich eindeutig sind sehr hohe Abweichungen vom Normalwert. Geringe Erhöhungen können auch andere Gründe haben. Gerade bei dem am häufigsten verwendeten Marker, dem CEA-Test, sind Abweichungen vom Normbereich nicht immer ein Krankheitszeichen. Die Marker müssen dann in kürzeren Abständen von einigen Wochen gemessen werden. Nur wenn die Werte stetig ansteigen, deutet das auf einen Rückfall hin. Zur Absicherung müssen zusätzliche Untersuchungen durchgeführt werden. Die Messwerte können je nach Messmethode von Labor zu Labor etwas unterschiedlich ausfallen.

Autor:

Dr. Bolz
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