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Schnarchen Schlafstörungen

Viele Menschen klagen über einen gestörten Schlaf. Ungefähr jeder vierte Bundesbürger gibt an, mehr oder weniger regelmäßig in seinem Schlaf gestört zu sein, auch viele Patienten in der allgemeinmedizinischen Praxis sind mit ihrem Schlaf unzufrieden.

Die Störungen des Schlafes beinhalten eine breite Auswirkung auf das Befinden und die Gesundheit am Tage. Die Auswirkungen einer Schlafstörung sind mannigfaltig. Die Schlafstörungen entwickeln sich allmählich, bedeutende Symptome sind nicht bei jedem Patienten von vornherein erkennbar, und bei vielen dauert es Jahre, bis eine Schlafstörung erkannt und behandelt werden kann. Häufig ist es der Bettpartner, der

  • den Patienten zum Arzt schickt,
  • vom Schnarchen belästigt wird,
  • oft schon aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen ist,
  • Angst bekommt, wenn Atemaussetzer auftreten.
Manche Patienten leiden unter erheblicher Müdigkeit, für die der Patient selbst meist schon Erklärungen gefunden hat (Alter, beruflicher Streß oder ähnliches). Eine Problemgruppe sind die Alleinlebenden, deren Schnarchen oft erst bei einem gemeinschaftlichen Ausflug oder einem Krankenhausaufenthalt von anderen bemerkt wird.

Patienten mit Schlafstörungen klagen häufig über:
  • Müdigkeit am Tage,
  • Kopfschmerzen,
  • verminderte Leistungsfähigkeit,
  • Streß am Arbeitsplatz,
  • Gedächtnisstörungen,
  • Gereiztheit oder Traurigkeit bis hin zur Depression,
  • vermehrtes nächtliches Wasserlassen,
  • übermäßiges nächtliches Schwitzen,
  • Ohrgeräusche,
  • Sexualstörungen wie Impotenz,
  • Ein- und Durchschlafstörungen.
  • Schnarchen und schlafbezogene Atmungsstörungen

    Schnarchen ist ein häufiges Phänomen. Ca. 60% aller Männer und 40% aller Frauen über 60 Jahren schnarchen. Frauen sind aufgrund der unterschiedlichen Hormonspiegel seltener betroffen. Meistens hat das Schnarchen harmlosere Ursachen, es kann sich aber auch eine ernstere Störung dahinter verbergen, die zu den gefürchteten Atempausen (Schlafapnoe) führt.

    Allgemeines zum Schnarchen

    Das Geräusch des Schnarchens entsteht, wenn der Schlafende durch den geöffneten Mund atmet und so das im Schlaf erschlaffte Gaumensegel in Schwingungen gerät. Ist die Nasenatmung behindert, sei es durch vergrößerte Rachen- bzw. Gaumenmandeln, durch eine Nasenscheidewandverkrümmung oder durch einen Schnupfen, so läßt sich die Ursache durch eine geeignete medikamentöse bzw. operative Therapie leicht beheben.

    Es kann aber auch sein, daß die Nasenatmung einwandfrei möglich ist, daß im Schlaf aber die Rachenmuskeln erschlaffen und so den Unterkiefer herabsinken lassen. Hier hilft evtl. eine Hochlagerung des Kopfes oder als Notlösung, wenn Partner oder Partnerin die Lärmbelästigung nicht mehr ertragen, eine sog. Schnarchbinde, die um Kinn und Scheitel gebunden wird. Andere Ursachen, insbesondere ein Schlafapnoe-Syndrom, sollten vorher ausgeschlossen werden.

    Schlafapnoe - was ist das?

    Es handelt sich um vorübergehende Atemstillstände, die während des Schlafes auftreten. Jeder Mensch hat während der Nacht einige Atemstillstände. Wenn sie mehr als zehnmal in der Stunde auftreten und länger als 10 Sekunden andauern, wenn zudem vielleicht Veränderungen der Gehirnfunktion und eine Störung des Schlafablaufes feststellbar sind, dann ist ein Schlafapnoe-Syndrom wahrscheinlich.

    Atemstillstandsphasen treten in schweren Fällen bis zu zwanzigmal und mehr in der Stunde auf. Die Atempause wird im Gehirn des Schlafenden registriert und durch eine Weckreaktion (Arousal) überwunden. Die Arouselreaktion ist lebenswichtig und bewahrt vor dem Ersticken. Durch die Arouselreaktion wird aber der Schlaf selbst gestört, da ein Übergang von einem tiefen Schlafstadium in einen nur oberflächlichen Schlaf stattfindet.

    Im weiteren Krankheitsverlauf häuft sich nicht nur die Anzahl, sondern auch die Zeitdauer der Phasen. Aus einem chronischen, unbehandelten Apnoe-Syndrom entwickeln sich regelmäßig Bluthochdruck, Herzinsuffizienz (verminderte Herzleistung), Herzrhythmusstörungen und die verstärkte Neigung zu Herzinfarkt und Schlaganfall.

    Ursachen der Schlafapnoe

    Im Schlaf kommt es bei jedem Menschen zu einer Erschlaffung der Muskulatur des Nasen-Rachen-Raumes. Beim sogenannten Obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS), über das wir hier sprechen, kommt es dabei zu einer Rückverlagerung der Zunge und zu einer Engstellung des Rachenraumes, den man sich als einen Muskelschlauch aus mehr als 20 Muskelpaaren vorstellen kann. Nach dem Atemstillstand kommt ein tiefer Atemzug, der die verengten Atemwege öffnet und als lauter Schnarchton hörbar wird.

    Schlafapnoe tritt oft bei Dauerschnarchern auf, gehäuft auch bei Übergewichtigen, bei denen die Atem- und Herzaktionen besonders behindert sind. Die Frage, ob das Übergewicht für die Apnoephasen verantwortlich ist oder umgekehrt das Apnoesyndrom durch Störungen der Gehirnfunktion beim Patienten einen verstärkten Eßreiz und damit das Übergewicht auslöst, ist bisher noch nicht eindeutig geklärt. Zwei Drittel der Apnoiker sind übergewichtig, und fast alle klagen über einen erhöhten Eßreiz. Oft soll die Nahrungsaufnahme auch die ansonsten bestehenden psychischen Veränderungen und Problemen im Alltagsleben kompensieren.

    Vorsicht ist bei Alkohol geboten. Er führt schon beim Gesunden zu einer Verlangsamung aller Kontrollmechanismen des Atemzentrums und auch zu einer Erschlaffung der Rachenmuskulatur. Bei Menschen, die unter Schlafapnoe leiden, verstärkt und verlängert er die Phasen der Atemstillstände, und es können je nach Schweregrad der Symptomatik bedrohliche Situationen entstehen.

    Anzeichen für eine obstruktive Schlafapnoe

    • Lautes Schnarchen, von dem man selbst wach wird, evtl. begleitet von Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Konzentrationsmangel am folgenden Tag
    • Starkes, unregelmäßiges Schnarchen mit mehr als 10 Atempausen pro Stunde, jeweils länger als 10 Sekunden (Dies sind jedoch nur Richtwerte, die insbesondere ein Alleinlebender nicht durch Eigenbeobachtung ermitteln kann)
    • Schnarchen im Intervall; im normalen Schlaf treten plötzlich schnappende Schnarchtöne auf. Nach einer Atempause öffnet sich dann bei tiefer Einatmung der Nasen-Rachen-Raum mit einem "Schnarchton". Meist stellen Partnerin oder Partner fest, daß der normale Atemrhythmus unterbrochen ist und Atempausen bestehen.
    • Gefahr: Durch die Weckreaktion, die das Atemzentrum zur Aktivität mahnt und auch den Patienten wach macht, wird die normale Schlafarchitektur, d. h. der normale Schlafablauf mit Traum- und Tiefschlafphasen, erheblich gestört. Daraus resultieren Anstiege von Blutdruck und Herzfrequenz. Bei vielen Menschen, die unter Bluthochdruck leiden, kann allein dies schon zu schlimmen Situationen führen.
    • Morgendliche Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopfdruck und Mattigkeit ("wie gerädert")
    • Konzentrationsschwäche und Leistungsminderung am Arbeitsplatz und in der Freizeit
    • Ausgeprägte Tagesmüdigkeit bis hin zum Schlafzwang, insbesondere bei monotonen Tätigkeiten (bei langen Autofahrten, am Schreibtisch, beim Lesen, beim ruhigen Sitzen während der Mittagspause, beim Telefonieren, beim ruhigen Gespräch usw.)
    • Probleme in Beruf, Familie und Freundeskreis: durch Antriebsarmut, Schwerfälligkeit, verminderte Einsatzbereitschaft und ständige Müdigkeit entstehen Konflikte mit den Mitmenschen.
    • Auch Depressionen und Potenzstörungen sind nicht selten
    • Lärmbelästigung durch das laute Schnarchen: insbesondere für Partner, aber auch für Nachbarn und auch für Freunde in der Freizeit. Oft resultierten Isolation und ein zu psychischen Störungen führendes Schamgefühl
    • Unruhiger Schlaf, nächtliches Schwitzen und vermehrtes Wasserlassen als weitere typische Symptome. Manche Patienten stöhnen und schreien unbewußt im Schlaf, rudern mit den Armen und wälzen sich im Bett herum während der Apnoephasen. Das zerwühlte Bett am Morgen kann auch für Singles ein Hinweis sein.

    Häufigkeit der Schlafapnoe

    Die Häufigkeit der Schlafapnoe wird auf 1-2% der Bevölkerung geschätzt (1-2 Millionen behandlungsbedürftige Patienten in der Bundesrepublik).

    Wann sollte man zum Arzt gehen?

    Bei jedem lauten Schnarchen, das einen selbst weckt oder die Umgebung stört (um eine Behinderung der Nasenatmung abklären und ggf. behandeln zu lassen).

    Bei unregelmäßigem Schnarchen oder einzelnen lauten Schnarchtönen nach einer Atempause (meist von anderen beobachtet).

    Wenn Unterbrechungen des regelmäßigen Atemrhythmus von Partnerin oder Partner festgestellt werden.

    Wenn lautes und unregelmäßiges Schnarchen mit Tagesmüdigkeit, Einschlafneigung und Konzentrations- und Leistungsminderung einhergehen.

Autor:

Dr. Bolz
Hauptstr. 62
45549 Sprockhövel
www.praxis-bolz.de