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Cholesterin - Viele Antworten rund ums Cholesterin

Jeder, der an seiner Gesundheit interessiert ist, so meint man, kennt ihn: seinen Cholesterinwert. Oft ist er Gegenstand von heißen Stammtischdiskussionen - je höher, desto schlechter. Und das stimmt nicht ganz, denn: Cholesterin ist zwar immer Cholesterin, aber auf die Verpackung kommt es an.

Zugegeben, es hat keinen besonders guten Ruf, das Cholesterin - und das, obwohl unser Körper es für viele Dinge dringend benötigt.

So ist beispielsweise jede Zelle unseres Körpers von einer Barriere umgeben, der so genannten Membran. Einer ihrer wichtigsten Bestandteile: das Cholesterin. Ohne Cholesterin also keine funktionstüchtigen Zellen! Außerdem ist Cholesterin der Ausgangsstoff für eine Vielzahl unserer Hormone. Würde es fehlen, hätten Frauen keine weiblichen und Männer keine männlichen Sexualhormone. Schließlich ist es auch noch die Grundsubstanz für die Gallensäuren, ohne die wir kein Gramm Fett verdauen können.

Cholesterin ist also in unserem Körper unentbehrlich! Aber wie bei so vielen Dingen: auf die Menge kommt es an!

Wo kommt es her, das Cholesterin?

Wie auch bei Menschen, ist bei Tieren Cholesterin ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Zellen - das heißt: Nahrungsmittel tierischer Herkunft enthalten in verschieden hohen Mengen Cholesterin.

Besondere Cholesterinbomben sind z. B. Eier, vor allem das Eigelb. Dieses bringt es tatsächlich auch auf gigantische Cholesterinmengen, nämlich auf 1260 mg/100 g. Nimmt man zum Vergleich dazu ein Stück Rinderfilet, so kommt man auf magere 60 mg/100g. "Nie wieder Eier", werden Sie jetzt denken. Aber: Nicht alles, was im Essen drin ist, kommt auch so direkt in unser Blut.

Unser Körper hat nämlich im Darm sozusagen eine Cholesterinsperre eingebaut: mehr als 350 - 500 mg werden pro Tag nicht aufgenommen. Für Gesunde heißt das: zu Ostern darf es denn auch ruhig ein zweites Osterei sein, ohne dass Sie befürchten müssen, dass Ihr Cholesterinspiegel in die Höhe geht.

Die Eigenproduktion...

Mit der Nahrung noch nicht genug: auch unser Körper selbst produziert Cholesterin. Und dieses trägt wesentlich mehr zu den Cholesterinblutspiegeln bei als das aus der Nahrung aufgenommene. Die Leber ist hierbei die Hauptprodukionsstätte - täglich sind es bis zu 1200 mg. Also: mehr als das Doppelte der Cholesterinmenge, die wir mit der Nahrung aufnehmen.

Für alle, die es ganz genau wissen wollen...

Stellen Sie sich vor, Sie gießen ein Glas Olivenöl und ein Glas Wasser zusammen. Was passiert? Richtig: es bilden sich zwei Schichten: eine mit Öl und eine mit Wasser. Vermischen lassen sich Öl und Wasser nämlich nicht. Auch wenn Sie kräftig schütteln, entstehen zwar kleine Öltröpfchen fein verteilt im Wasser - läßt man es aber länger stehen, werden die Öltropfen immer größer und irgendwann sind es wieder zwei Schichten.

Ähnlich wäre es, wenn Cholesterin oder andere Nahrungsfette einfach so in das Blut gelangen würden. Daher wird Fett zum Transport im wässerigen Blut immer in geeignete Transportmittel verpackt. Vom Darm gelangt das Fett (Triglyceride) un mit ihm das Cholesterin beispielsweise in so genannten Chylomikronen zu unseren Körperzellen. Die Chylomikronen mit ihrer fetten Ladung sind daher vor allem nach einer Mahlzeit in unserem Blut anzutreffen - so nach und nach werden sie aus dem Blut entfernt. Der größte Teil gelangt in die Leber. Dort werden die Fette fleißig umgebaut und in neuen Transportmitteln in das Blut abgegeben.

Diese neuen Transportmittel heißen "Very Low Density Lipoproteins" (=Lipoproteine sehr niedriger Dichte) - kurz VLDL. So genannte Lipoproteine umschließen kugelförmig die Triglyceride und das Cholesterin. Die fettige Fracht kann so ungehindert über das Blut zu den Zellen transportiert werden. Der Inhalt der VLDL besteht zu 54% aus Triglyceriden und zu 20% aus Cholesterin. Bei Bedarf werden die VLDL bereits im Blut zerteilt. Denn: Fette sind ein wichtiger Energielieferant. Benötigt beispielsweise die Muskulatur viel Energie, werden vermehrt Fette aus dem VLDL aufgenommen. Übrig bleiben die so genannten LDL ("Low Density Lipoproteins" = Lipoproteine niedriger Dichte). Und diese sind so richtig mit Cholesterin überladen: LDL enthalten nur noch 10% Triglyceride, aber 46% Cholesterin!

In die Zellen gelangt das LDL dann über spezielle Andockstellen, so genannte LDL-Rezeptoren. Legt ein LDL an einem solchen Rezeptor an, wird es regelrecht in die Zelle eingeschleust. Dort wird es dann von Enzymen auseinander genommen, so dass seine Inhaltsstoffe weiterverarbeitet werden können.

Das schlechte Cholesterin: LDL

Die häufigste Todesursache in der Bundesrepublik Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und diese wiederum sind zum größten Teil auf eine Veränderung unserer Blutgefäße zurückzuführen, nämlich auf eine so genannte Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Und jetzt schließt sich der Kreis: Die Hauptursache für die Arteriosklerose sind wiederum zu hohe Cholesterinwerte - also zu viel LDL - im Blut!

Das gute Cholesterin: HDL

Cholesterin kann also bei zu hohen Konzentrationen Schäden in unserem Körper anrichten. Damit das nicht passiert, haben wir eigentlich einen speziellen Entgiftungsdienst - nämlich HDL ("High Density Lipoproteins" = Lipoproteine hoher Dichte). Auch sie werden vor allem in der Leber produziert, entstehen aber auch zu einem kleinen Teil, wenn aus dem VLDL die LDL gebildet werden.

HDL funktioniert praktisch wie ein Abräumkommando: überall, wo zu viel Cholesterin vorhanden ist, greift es zu. Und das sieht man auch an seiner Figur: Anfangs noch klein und platt, wird HDL mit jedem Cholesterin runder, bis es kugelrund wieder von der Leber aufgenommen wird.

Das bedeutet: haben wir viel HDL im Blut, wird viel Cholesterin abtransportiert - ein guter Schutz also gegen die Arteriosklerose!

Die gute Mischung...

Im Klartext heißt das: je weniger LDL und je mehr HDL, umso besser! Der Mindestwert für HDL wäre 35 mg/dl bei Frauen und 45 mg/dl bei Männern. Der LDL-Wert sollte bei Gesunden 160 mg/dl nicht übersteigen.

Etwas verwirrend vielleicht: gemessen wird immer der Gesamtcholesteringehalt, die Triglyceride und zusätzlich der HDL-Wert - nicht aber LDL. Das liegt einfach daran, dass es noch keine einfach durchzuführende Bestimmungsmethode für LDL gibt. Der Blutwert für LDL wird dann aus den Konzentrationen von Gesamtcholesterin, Triglyceriden und HDL berechnet.

Was passieren kann...

Erstaunlich: selbst wenn ein Gefäß bereits bis zu 80% verstopft ist, merkt man meist in Ruhe noch gar nichts. Erst wenn man sich anstrengt oder der Blutdruck ansteigt, macht sich die Arteriosklerose bemerkbar. Ist zu Beispiel eine Arterie im Bein betroffen, dann hat man das Gefühl, dass man wegknickt, dass man nicht mehr weiter laufen kann und es tut, meistens in den Waden, weh.

Es kann auch so weit gehen, dass das gesamte Gefäß vollkommen verstopft. So ähnlich wie die Verkalkung von Wasserleitungen, nur: die kann man einfach austauschen! Wenn das Gefäß vollkommen verstopft ist, dann fließt gar kein Blut mehr - und das kann schlimme Folgen haben - je nachdem, wo das Gefäß liegt. Mehr dazu aber später.

Was während der gesamten Entwicklung eines arteriosklerotischen "Propfes" passieren kann ist, dass sich ein Teil davon lösen kann - ein so genannter Thrombus. Der kann dann über die Blutbahn überall in den Körper gelangen und schließlich in kleineren Gefäßen stecken bleiben.

Das hört sich jetzt alles sehr dramatisch an - und das ist es auch. Denn: je nachdem, wo sich die Arteriosklerose befindet, kann sie tödlich enden! Das Vertrackte an der Sache: ungefähr die Hälfte aller Patienten, die einen Herzinfarkt bekommen, haben vorher überhaupt keine Krankheitszeichen - sie merken überhaupt nicht, was sich da so langsam anbahnt. Umso wichtiger also die richtige Vorbeugung.

Wenn das Herz betroffen ist

Unser Herz schlägt ständig, ohne Pause. Was es daher am nötigsten braucht: Sauerstoff und Energie. Und das bekommt es nur bei einer optimalen Blutversorgung.

So bekommt es Sauerstoff...

Unser Herz schlägt durchschnittlich 70 Mal in der Minute, also knapp über 100 000 Mal pro Tag. Eine erstaunliche Leistung! Hierfür braucht es vor allem Sauerstoff und genügend Energie liefernde Substanzen. Deshalb hat das Herz ein eigenes ausgedehntes Versorgungssystem: die Herzkranzgefäße - auch Koronararterien. Dabei bilden drei Hauptarterien ein sich immer weiter verzweigendes Gefäßnetz um das gesamte Herz herum. Prinzipiell also die Grundlage für eine optimale Herzfunktion.

KHK - verkalkte Koronararterien

KHK heißt Koronare Herzkrankheit, was nichts anderes ist als eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße. Sie entsteht genauso wie in anderen Gefäßen, zum Beispiel in den Beinen - nur mit schlimmeren Folgen. Ganz allmählich kommt es also durch die Arteriosklerose zu einer immer stärkeren Verengung der Gefäße. In Ruhe, das heißt zum Beispiel im Sitzen oder beim langsamen Gehen, merkt man sehr lange gar nichts. Erst wenn eine der größeren Arterien bis zu 70% verstopft ist, fehlt dem Herz unter Belastung der lebensnotwendige Sauerstoff.

Warnsignale für einen Schlaganfall

Prinzipiell ist jeder Schlaganfall ein Notfall. Wie auch bei einem Herzinfarkt gilt: je früher die Behandlung, desto besser die Aussichten auf Heilung.

Bei folgenden Symptomen sollten Sie unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen:

Die Muskeln werden schwach: plötzlich fällt Ihnen ein Gegenstand aus der Hand, weil Sie ihn einfach nicht mehr festhalten können, oder ein Mundwinkel hängt ein wenig herab, weil die Gesichtsmuskeln betroffen sind.
  • Ein taubes oder pelziges Gefühl oder ein Kribbeln in Gesicht, Armen, Händen,...
  • Sprachstörungen
  • Sehstörungen: Sie sehen zwar Dinge - aber nur noch die Hälfte der Welt oder doppelt
  • Gleichgewichtsstörungen: die Orientierung im Raum fällt schwer, man torkelt oder stößt irgendwo an
  • Heftiger Drehschwindel
  • Heftige Kopfschmerzen und halbseitige neurologische Ausfälle

Die Behandlung

In manchen Fällen kann das Blutgerinnsel in einem betroffenen Gefäß mit Medikamenten aufgelöst werden. Aber: je länger eine Schädigung der Gehirnzellen bestand, desto schwerer können die Folgen sein und meist bleiben Dauerschäden zurück. Eine Behandlung sollte innerhalb der ersten drei bis sechs Stunden nach Eintreten des Schlaganfalls erfolgen - sonst stehen die Chancen auf eine tatsächliche Heilung schlecht. 20% der Menschen werden nach einem Schlaganfall zu Pflegefällen. Ein normales Leben ist dann oft nicht mehr möglich.

Die größte Bedeutung kommt daher der Vorbeugung zu. Lassen Sie es gar nicht erst so weit kommen. Sowohl für den Schlaganfall als auch für den Herzinfarkt gelten mehr oder weniger die gleichen Risikofaktoren und die gleichen Vorsorgemaßnahmen. Mehr dazu in den folgenden Abschnitten.

Nicht nur Cholesterin!

Hat man nur einen mäßig erhöhten Cholesterinwert und ist ansonsten gesund, muss das noch kein Grund zur Beunruhigung sein. Denn es gibt eine ganze Reihe weiterer Risikofaktoren für die Entstehung von arteriosklerotischen Veränderungen. Kritisch wird es besonders dann, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen.

An erster Stelle: Rauchen!

Rauchen gilt bei der Arteriosklerose als einer der wichtigsten Risikofaktoren. Die von uns beim Rauchen eingeatmeten Substanzen führen nämlich im Blut zur Bildung der gefährlichen Sauerstoffradikale - und die wiederum wandeln das Cholesterin in aggressive und endothelschädigende Substanzen um. Ist das Endothel dann erst einmal verletzt, nimmt der Teufelskreis der Arteriosklerose ganz schnell seinen Lauf!

Zu viel auf der Waage

Dass Übergewicht nicht gesund ist, das weiß eigentlich jeder. Und bei den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt es eine besonders "gewichtige" Rolle. Je mehr Übergewicht man nämlich hat, desto weniger HDL hat man im Blut.

Das heißt: desto geringer ist der körpereigene Schutz vor Arteriosklerose. Außerdem verursacht Übergewicht sehr oft weitere Risikofaktoren: nämlich Bluthochdruck und Diabetes mellitus.

Die sicherste Methode, Übergewicht festzustellen, ist der BMI, der Body Mass Index. Dafür brauchen Sie Ihr Körpergewicht und Ihre Körpergröße. Also: ab auf die Waage und rechnen. Der BMI ist Ihr Körpergewicht geteilt durch das Quadrat Ihrer Körpergröße in Metern. Beispiel: Sie wiegen 90 kg und sind 165 cm groß. Dann sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

90 : (1,65 x 1,65) = 33 kg/m²

Das hieße dann runter mit den Pfunden! Denn: ein Wert von 33 kg/m² wäre eindeutig zu viel. Der BMI sollte nicht größer als 27 kg/m² sein.

Risikofaktor Bluthochdruck

Bluthochdruck ist ein außerordentlich wichtiger Risikofaktor und führt häufig zu Schlaganfällen und Herzinfarkt. Wir wissen, dass es bei Bluthochdruck leicht zu Verwirbelungen im Blut und damit zu rein mechanischen Verletzungen des sehr empfindlichen Endothels (der Gefäßinnenauskleidung) kommt. Die Folge: bereits hierdurch kann der Grundstein für eine Arteriosklerose gelegt werden.

Und: bei einer schon bestehenden Arteriosklerose kann der überhöhte Blutdruck leicht dazu führen, dass Teilchen der arteriosklerotischen Auflagerungen regelrecht abgesprengt werden und in andere Organe gelangen. Mit der Folge, dass diese bis in das Herz oder das Gehirn gelangen und hier lebensgefährliche Gefäßverschlüsse hervorrufen können.

Das Tückische: einen hohen Blutdruck bemerkt man nicht so einfach - man fühlt sich nämlich überhaupt nicht krank dabei. Lassen Sie daher Ihren Blutdruck ab und an überprüfen. Nicht nur einmal, sondern mehrmals. Oft hat man nämlich in der Arztpraxis wegen der Aufregung gigantisch hohe Blutdruckwerte - und zu Hause sind sie völlig normal. Kritisch ist ein Wert über 140/90 mmHg. Dann sollte unbedingt behandelt werden. Denn: am Bluthochdruck selbst stirbt zwar niemand, aber seine Folgen sind für jeden Dritten tödlich!

Diabetes

Auch Diabetes mellitus stellt durch Veränderungen des Zucker- und Fettstoffwechsels einen erheblichen Risikofaktor für die Arteriosklerose dar. Lassen Sie daher regelmäßig Ihren Blutzucker bestimmen. Nüchtern sollten Werte von 100 mg/dl nicht überschritten werden und zwei Stunden nach einer Mahlzeit bereits wieder unter 120 mg/dl liegen. Liegt Ihr Blutzucker darüber, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt über eine mögliche Behandlung sprechen. Damit sind nicht gleich Medikamente gemeint, sondern zunächst Gewichtsabnahme und Ernährungsumstellung.

Wie sieht's in der Familie aus?

In Studien konnte ganz klar gezeigt werden: Menschen, in deren Familie bereits arteriosklerotischen Erkrankungen, also Herzinfarkt, koronare Herzkrankheit oder auch Schlaganfall aufgetreten sind, haben ein wesentlich höheres Risiko für ebensolche Krankheiten. Das bedeutet aber nicht Kopf in den Sand, sondern regelmäßig zu Ihrem Arzt für Vorsorgeuntersuchungen. Denn es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten, die man einsetzen kann, um das Risiko zu normalisieren.

Und gerade hier gilt: Vorsorgen ist besser als heilen - hatte man nämlich erst einmal einen Herzinfarkt, dann ist das Risiko für den nächsten stark erhöht.

Ihre persönliche Krankheitsgeschichte

Ganz entscheidend für Ihr Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu bekommen, ist Ihr jetziger Gesundheitszustand. Besser gesagt: der Gesundheitszustand Ihrer Gefäße. Hat die Arteriosklerose nämlich schon begonnen, wird es allerhöchste Zeit, etwas zu tun. Beobachten Sie sich aufmerksam und gehen Sie unbedingt zum Arzt, wenn Sie auffällige Krankheitszeichen entdecken. Für Herzkrankheiten sind das: Engegefühl in der Brust, Brustschmerzen, Herzklopfen, Schwindelgefühle. Für Gefäßerkrankungen im Gehirn können das sein: Lähmungs- oder Taubheitsgefühle auf einer Körperseite, plötzliche Sehstörungen, Schwierigkeiten beim Sprechen und beim Verstehen, plötzliche starke Kopfschmerzen oder Drehschwindel und Unsicherheiten beim Gehen. Und auch wenn Sie keine dieser Krankheitszeichen haben, lassen Sie regelmäßig Ihr "Arteriosklerose-Risiko" bei Ihrem Arzt checken. Denn: knapp die Hälfte der Betroffenen merkt bis zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gar nichts von der drohenden Gefahr.

Auch dann noch, wenn Sie bereits arteriosklerotische Veränderungen haben, ist eine Vorsorge noch möglich und sehr wirksam. Und je früher behandelt wird oder Sie Ihre Lebensgewohnheiten umstellen, desto besser. Aber eines bleibt: das Risiko für schlimmere Erkrankungen ist dann im Vergleich zu "Gefäßgesunden" erhöht!

Und dann noch...

Als wenn das nicht schon genug wäre, aber es gibt leider noch ein paar andere Dinge, die das Risiko der Arteriosklerose stark erhöhen. Zum einen: die Pille zur Verhütung. In dieser Pille sind Sexualhormone enthalten, die über unterschiedliche Wirkungsweisen zu einem erhöhten Risiko für Gefäßverschlüsse führen können - aber immer nur, wenn noch ein anderer Risikofaktor wie Rauchen, Übergewicht oder Bluthochdruck hinzukommt. Also: die Pille allein ist noch nicht der Übeltäter. Dennoch sollten sich Frauen, die die Pille nehmen, regelmäßig auf ihr Herz-Kreislauf-Risiko untersuchen lassen. Der Stress - den kennt jeder. Stress im Job mit Mitarbeitern und natürlich auch der Stress zu Hause in der Familie mit dem Partner oder den lieben kleinen Nervensägen. Und dieser krank machende Stress ist es, der zu einem höheren Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall führt. "Vermeiden Sie Stress", lautet daher auch oft der gute Rat. Aber das ist leichter gesagt als getan. Denn solchen möglichen Stress-Situationen ist man eigentlich tagtäglich ausgesetzt. Nur ganz entscheidend: wie man mit ihnen umgeht. Und hier liegt auch die Möglichkeit, den Stress als Risikofaktor auszuschalten: den Stress anders wahrnehmen. Sprechen Sie doch mal mit Ihrem Arzt darüber, vielleicht können auch Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenes Training helfen, oder auch ein Psychotherapeut. Zu guter Letzt: Homocystein. Erst in letzter Zeit wurde entdeckt, dass ein Stoff namens Homocystein - eine Aminosäure - ein ganz eigener Risikofaktor für die Arteriosklerose ist. Ähnlich wie Sauerstoffradikale verändert es das Cholesterin zu einem aggressiven und schädlichen Stoff und vermag auch selbst die Gefäße zu schädigen. Allerdings nur ab einer gewissen Konzentration. Die Homocystein-Werte können mittels einer Blutuntersuchung ermittelt werden. Eine gute Nachricht: die erhöhten Homocystein-Spiegel lassen sich ganz einfach mit Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure wieder in den Normalbereich bringen.

Wann ist Cholesterin schädlich?

Mäßig erhöhte Cholesterinwerte allein sind meist noch kein Grund zur Beunruhigung, wenn Sie sonst kerngesund sind und gesund leben! Kommen aber andere Faktoren hinzu, dann sieht es schon ganz anders aus. International anerkannt sind mittlerweile folgende Cholesterin-Zielwerte:

  • LDL-Cholesterinwerte unter 160 mg/dl im Blut bei Gesunden
  • LDL-Cholesterinwerte unter 130 mg/dl im Blut bei Vorliegen von anderen Risikofaktoren
  • LDL-Cholesterinwerte unter 100 mg/dl im Blut bei Patienten mit Koronarer Herzkrankheit oder Diabetes
Zusätzlich gibt es bei Patienten mit Koronarer Herzkrankheit - also der so genannten Hochrisikogruppe - noch folgende Ziele: das schützende HDL-Cholesterin sollte mindestens 40 mg/dl Blut betragen, der Wert für die Triglyceride im Blut sollte unterhalb von 200 mg/dl liegen und schließlich sollte der so genannte Quotient von LDL zu HDL kleiner sein als 3. Den Quotienten erhält man, wenn man den LDL-Wert durch den HDL-Wert teilt. Haben Sie beispielsweise einen LDL-Wert von 160 und einen HDL-Wert von 30, dann liegt der Quotient bei 5,3 - also zu hoch. Das hieße dann: runter mit dem LDL und hoch mit dem HDL.

Ernährungsempfehlungen

Daß eine vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung wichtig für die Gesundheit ist, ist allgemein bekannt. Sie kann auch vor Herz-Kreislaufkrankheiten schützen, wenn dem Körper die Herzvitamine C und E sowie wichtige Mineralien in ausreichender Menge zugeführt werden. Ein frischer Salat sollte deshalb zur täglichen Mahlzeit werden. Da unterschiedliche Farben der Gemüsesorten auf verschiedene Mineralstoffe hinweisen, sollte man den Salat aus verschiedenfarbigen Gemüsen herstellen, um eine "Rundumversorgung" zu gewährleisten. Der eigentliche Clou des Salates ist das richtige Öl. Olivenöl stellt dabei praktisch eine natürliche Herz-Schutz-Medizin dar. Es enthält Vitamin E. Außerdem besitzt Olivenöl im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzenösen viele einfach ungesättigte Fettsäuren - diese reduzieren das schädliche LDL-Cholesterin im Blut, lassen aber das "gute" Cholesterin unangetastet. Olivenöl bekämpft darüber hinaus die "Freien Radikale", die für die Oxydationsprozesse und Ablagerungen an den Gefäßwänden verantwortlich sind. Und: Olivenöl senkt den Blutdruck. Der tägliche Genuß von Olivenöl schützt deshalb vor Herzerkrankungen. Das beweisen Vergleichsstudien im Mittelmeerraum, wo traditionell reichlich Olivenöl genossen wird und die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich geringer ist als anderswo. Zu dem Olivenöl-Salat sollte man frische Säfte trinken, die viel Vitamin C enthalten. Eine gute Wahl ist Grapefruitsaft, der - jüngsten Forschungen zufolge - außerdem noch den Cholesterinspiegel senkt.

Autor:

Dr. Bolz
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