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Fakten und Märchen zur Milch

Milch und die daraus hergestellten Produkte enthalten wichtige Nährstoffe und stellen einen bedeutenden Bestandteil unserer Ernährung dar. Hartnäckig halten sich jedoch einige Vorbehalte gegenüber Milch. Die häufigsten werden im Folgenden kritisch beleuchtet.

Verschleimt die Milch den Körper?

Diese Behauptung ist wissenschaftlich nicht haltbar. In australischen Untersuchungen konnte kein Zusammenhang zwischen Milchgenuss und der Nasenschleimproduktion oder anderen Symptomen der oberen oder unteren Atemwege festgestellt werden. Das gilt für Gesunde wie für Schnupfenpatienten gleichermaßen.

Lässt man zwei Versuchsgruppen Kuhmilch oder Soja-„Milch“ trinken, dann berichten ebenso viele in beiden Gruppen über bestimmte Auffälligkeiten wie z. B. gesteigerten Schluckreiz, Filmbildung im Mund-Rachenbereich sowie zähen und schwerer zu schluckenden Speichel. Diese Wirkungen scheinen also nicht typisch für Kuhmilch zu sein, sondern lediglich mit den sensorischen Eigenschaften milchähnlicher Getränke zusammenzuhängen.

Darf man bei Milchzuckerunverträglichkeit (Lactoseintoleranz) überhaupt Milchprodukte essen?

Lactose (Milchzucker) ist das Kohlenhydrat der Milch. Es wird im Dünndarm durch das Enzym Lactase aufgespalten. Wenn zu wenig Lactase gebildet wird, kann Milchzucker in den Dickdarm gelangen und dort zu Missempfindungen wie Blähungen, Druckgefühl und Durchfällen führen.

In Deutschland tritt die Milchzuckerunverträglichkeit nur bei 15 Prozent der Einwohner auf. In Afrika und Asien, wo Milch traditionell nicht auf dem Speiseplan steht, lässt die Lactaseaktivität jedoch bei vielen Erwachsenen nach, in einigen asiatischen Ländern sogar bei bis zu 100 Prozent der Bevölkerung.

Wer lactoseintolerant ist, muss keineswegs völlig auf Milch und Milchprodukte verzichten. Der Grad des Lactasemangels kann individuell sehr unterschiedlich sein. Meist wird Milch in geringen Mengen, vorzugsweise zusammen mit den Mahlzeiten, vertragen.

Gesäuerte Milchprodukte wie etwa Joghurt oder Dickmilch sind in der Regel gut bekömmlich, denn die bei der Herstellung eingesetzten Bakterienkulturen haben die Lactose schon zu einem Teil abgebaut. Käse kann aufgrund seines geringen Lactosegehaltes ohne weiteres verzehrt werden. Dabei ist der Lactosegehalt abhängig von der Reifungsdauer. Hartkäse ist praktisch lactosefrei.

Ist Milch für Erwachsene nicht geeignet?

Auch diese Theorie ist falsch. Sie basiert auf der Behauptung, dem Erwachsenen fehle das Enzym zur Milchverdauung. Tatsächlich verfügt nur der Säugling über das

Enzym Gastricin, das dem Labenzym des Kalbes ähnelt und Milcheiweiß verdauen kann. Beim Erwachsenen reicht aber schon die Magensäure aus, um das Eiweiß von den restlichen Milchbestandteilen abzutrennen. So können verschiedene Enzyme in Magen, Bauchspeicheldrüse und Darmschleimhaut das Milcheiweiß wirksam verdauen. Es wird fast komplett in den Körper aufgenommen und gehört zu den Eiweißen mit der höchsten Verdaulichkeit. Die Milch wird vollständig abgebaut und es bleiben weder Klumpen noch Schleim im Darm zurück.

Verhindert Milch den Knochenschwund?

Fest steht: der regelmäßige Konsum von Milch und Milchprodukten ist ein wichtiger Faktor bei der Verhinderung des Knochenschwundes. Skeptiker halten dem entgegen, dass in großen Teilen Asiens, wo nur wenig Milch und Milchprodukte konsumiert wird, seltener Knochenschwund (Osteoporose) auftritt.

Tatsächlich ist aber Osteoporose eine Krankheit, die abgesehen von der Calciumaufnahme über Milch und Milchprodukte noch von anderen Faktoren abhängt: neben Vitamin D-Versorgung, körperlicher Aktivität und Lebensalter spielen auch hormonelle und erbliche Faktoren eine Rolle. In ländlichen Bereichen Asiens arbeiten viele Menschen noch körperlich und sind dabei oft der Sonnenstrahlung ausgesetzt, welche die körpereigene Vitamin D-Produktion anregt. Wie neuere Untersuchungen aus China zeigen, ist das Osteoporoserisiko bei Stadtbewohnern ähnlich hoch wie in westlichen Ländern.

Kann Milch die Entstehung von Nierensteinen fördern?

Mindestens 80 Prozent der Nierensteine bestehen aus Calciumsalzen, vorwiegend Calciumoxalat. Früher wurde Nierensteinpatienten oft eine calciumarme Diät mit wenig Milch empfohlen. Inzwischen hat man aber erkannt: Je mehr Calcium wir über die Nahrung erhalten, desto niedriger ist das Risiko einer Steinbildung. Ein Grund dafür ist, dass das Calcium im Verdauungstrakt Oxalat binden kann und als Calciumoxalat direkt wieder über den Darm ausgeschieden wird. Als Calciumquelle werden Milch und Milchprodukte empfohlen. Dabei ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig.

Was ist wirklich dran – und drin?

Milch und Milchprodukte sind wichtige Lieferanten von hochwertigem Eiweiß, verdauungsförderndem Milchzucker und Milchfett. Außerdem sind sie die bedeutendste Quelle von gut verfügbarem Calcium und liefern weitere Mineralstoffe und liefern weitere Mineralstoffe wie Magnesium und Zink. Das fettlösliche Vitamin A ist in Milch enthalten und auch die Vitamine B2 und B12 leisten einen guten Beitrag zur Deckung des Tagesbedarfs.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Kuhmilch

(Vollmilch, mind. 3,5 % Fett)

Inhaltsstoff

Beitrag von einem Glas Vollmilch (200 g) zur Deckung des täglichen Bedarfs *

Calcium

24%

Magnesium

7%

Zink

7%

Jod

3%

Vitamin A

6%

Vitamin B1

6%

Vitamin B2

26%

Vitamin B6

5%

Vitamin B12

27%

* für männliche Erwachsene im Alter von 25 bis 50 Jahren

Autor:

Dr. Bolz
Hauptstr. 62
45549 Sprockhövel
www.praxis-bolz.de