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Nagelpilz

Nagelpilz ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine Infektionskrankheit, die ansteckend ist und sich ausbreiten kann. Vom Großvater zur Enkelin, von Fuß bis Kopf. Der Nagelpilz sollte deshalb behandelt werden - und zwar in einer Drei-Schritt-Therapie, die leicht durchführbar, gut verträglich und erfolgreich ist.

Nagelpilz ist eine alte Krankheit. Bereits 1854 gelang dem Göttinger Medizinstudenten Georg Meissner die "Entdeckung der pilzlichen Ursache der Erkrankung". Rudolf Virchow nannte sie "Onychomykose". Die Genialität dieses Begriffs besteht darin, dass unter diesem alle in Frage kommenden Erreger eingeschlossen werden können: Dermatophyten, Hefen und Schimmelpilze. Meisterhaft war seine Beschreibung des Krankheitsbildes:

"Sehr deutlich zeigte sich, dass der Pilz von vorn her an den Rändern eingedrungen war und sich dann sowohl nach der Mitte, als nach rückwärts immer tiefer in die Spalten der Horngebilde hineingeschoben hatte, so dass endlich, ganz hinten, am Rande der Lunula, das große Nest gebildet war. Alle gelben Stellen waren voll von Pilzen, in den Spalten lagen dichte Haufen von Sporen. Die gelblichgraue Masse war so reichlich, dass, wenn man das Nagelblatt zurück bog und dann wieder in seine frühere Lage zurückschnellen liess, ein feiner Staub sich erhob."

Was Virchow nicht ahnen konnte, war die Ausbreitung der Onychomykose zur einer Volkskrankheit und dass man sie würde heilen können. Ab dem 65. Lebensjahr leidet heute etwa jeder Zweite darunter. Betroffen sind auch Kinder, was vor Jahren noch undenkbar war. Nagelpilz hat sich zu einer Familienerkrankung entwickelt und zählt auch aus diesem Grund zu den wichtigsten Therapiefeldern des Hausarztes.

Die häufigste Infektionsquelle sind Eltern oder Großeltern. Sie übertragen nicht nur die genetische Disposition, die Rezeptoren für das Andocken der Pilze auf der Haut. Bei Nichtbehandlung geben sie auch den Erreger weiter, die spezifische Ursache der Infektion. Die Übertragung ist wichtig. Denn ohne Pilz entsteht keine Infektion, unabhängig von den Begleitumständen, die ebenfalls eine Rolle spielen: feuchte Haut, Plastikschuhe, Durchblutungsstörungen, Rauchen, Sport.

Therapie

Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Zusammenspiel von äußeren und inneren Therapien. Die Behandlung erfolgt je nach Ausmaß der Erkrankung in zwei oder drei Schritten. Ist der Nagel verdickt (Typ 1-Infektion) muss die infizierte Nagelmasse entfernt werden.

Bei einem bereits vom Pilz zersetzten Nagel (Typ 2-Infektion) ist dies nicht erforderlich.

Erster Schritt: Entfernen der infizierten Nagelmasse

Der erste Schritt ist der Wichtigste. Der vom Pilz befallene Nagel sollte abgetragen werden. Die Entfernung ist notwendig, da kein inneres Medikament in der Lage ist, alle Erreger von innen her zu erreichen. Häufig bleiben nach einer Tabletten-Therapie gelbe Nester zurück, die die wichtigste Ursache für einen Rückfall sind. Um das pilzhaltige Nagelmaterial zu beseitigen, kommen mehrere Optionen in Betracht:

  • Laser
  • Fräsen
  • Behandlung mit 40%igem Harnstoff

Letztere ist die einzige Methode, die mit hoher Effizienz, schmerzfrei und ohne Verletzung durch den Patienten in Eigenregie erfolgen kann, in der Regel über zwei Wochen, bis der kranke Nagel komplett abgetragen ist. Bei Bedarf kann sie beliebig oft wiederholt werden.

Welch durchschlagende Kraft und Wirkung der Harnstoff besitzt, zeigt diese Abbildung. Einem Skalpell gleich wird der pilzhaltige Nagelanteil entfernt. Die nicht betroffenen Teile bleiben gesund stehen wie eine Bordsteinkante. Schmerzen entstehen dabei nicht. Eine schützende Nagelschicht bleibt erhalten und auch die umliegende Haut zeigt keinerlei Nebenwirkungen.

Die frei verkäuflichen 40%igen Harnstoffpräparate enthalten entweder Harnstoff (Onyster®) oder Harnstoff und den Zusatz von Bifonazol (Canesten® Extra Nagelset). Es besitzt ein breites Wirkspektrum gegen alle relevanten Erreger, wodurch das vom Harnstoff abgelöste Nagelmaterial nicht mehr ansteckend ist.

Der Harnstoff wirkt zudem wie ein Transportmittel und nimmt das Bifonazol zum Nagelbett mit, was auch dort seine Wirkung entfalten kann.

Im Vergleich zu den Harnstoffmedikamenten ist es eine Illusion, zu glauben, wenn man 1 x pro Woche auf den verdickten Nagel einen Acryllack wie Loceryl® oder Batrafen® aufträgt, dass die darin enthaltenen Wirkstoffe das Nagelbett erreichen und der Nagel dadurch heilt.

Auch das Feilen des Nagels vor einer solchen Lacktherapie ist bedenklich, da die abgefeilten Nagelspäne ansteckend sind und eine ernsthafte Infektionsquelle darstellen. Abgesehen von dem geringen Effekt dieser Maßnahme. Stark verdickte Nägel können alternativ von einem Podologen bis zu einem verträglichen Maß steril abgefräst werden und danach mit Harnstoff weiter behandelt werden.

Ebenso kritisch zu beurteilen ist die Behandlung mit Lasern wie dem 3 step-, Pinpoint- oder Cool-Breeze, die den Nagel nicht abtragen, sondern nur durchleuchten und auf 60°C erhitzen. Dadurch sollen die Pilze absterben bzw. verdampfen. Dies ist wenig glaubhaft, da die Sporen der Erreger bis zu 80°C überleben können und kein Wasser enthalten. Die Behandlung ist zudem teuer. Die Erstbehandlung kostet 800 Euro, was zeigt, wie lukrativ der "Pilzmarkt" ist. Wirksam sind nur Laser, die den Nagel abtragen (Erbium-Yag-Laser).

Im Unterschied zur Harnstoff-Therapie ist diese Behandlung jedoch schmerzhaft, ebenfalls teuer und mit Nebenwirkungen verbunden. Es besteht das Risiko einer Nagelbettzerstörung. Vor der Behandlung muss eine Betäubung erfolgen. Nicht mehr zeitgemäß ist die chirurgische Nagel-Entfernung. Sie ist schmerzhaft und erzeugt eine Verletzung, bei der ungewiss ist, ob der Nagel wieder wächst oder ins Gewebe eindringt, was weitere Eingriffe und Vernarbungen des Nagelbetts nach sich ziehen kann.

Zweiter Schritt: Äußerliche Behandlung

Die durch den Harnstoff freigelegte "Nagelwunde", oder der vom Pilz bereits zersetzte Nagel (Typ 2-Infektion) müssen konsequent medikamentös behandelt werden. Hierzu kommen harnstofffreie Präparate mit Bifonazol (Canesten® Extra Spray oder Creme) in Frage, die im Unterschied zu Cremes mit Terbinafin (Lamisil®) auch eine schützende antibakterielle und antientzündliche Wirkung besitzen. Ein großer Vorteil von Bifonazol ist die unbegrenzte Zulassung bei Kindern und Schwangeren.

Mit Lack gegen den Nagelpilz

Eine weitere Option ist die tägliche Therapie mit Ciclopoli gegen Nagelpilz. Es handelt sich um einen flüssigen und wasserlöslichen Lack, der Ciclopirox enthält. Diese Substanz vernichtet die Sporen, was dafür sorgt, dass der Pilz nicht aus Pilzsporen wiederkehren kann, die im Nagelgewebe übriggeblieben sind. Ciclopoli verfügt im Unterschied zu klassischen Acryllacken, die an die Nagelfläche fest angepinselt werden, über ein spezielles Transportsystem, welches der Wirksubstanz erlaubt, auch in tiefer liegende Nagelschichten vorzudringen.

Es ist ratsam, die lokale Therapie so lange fortzuführen, bis der Nagel völlig gesund herausgewachsen ist. Der Lack sollte vorsorglich noch einige Zeit nach Ende der inneren Therapie weiter angewendet werden.

Behandlung von Schuhen

Zur Vorbeugung einer Wiedererkrankung gehört auch die Desinfektion des Schuhwerks, da die dort enthaltenen Pilzsporen länger als sechs Monate überleben könen. Geeignet ist CalCifu Dosierspray, eine wässrige Lösung, die kein Treibgas und Alkohol enthält, die Farbe der Schuhe nicht angreift und aufgrund von Ammonium-Verbindungen eine hohe Wirksamkeit besitzt. Es ist frei von Aldehyd, Phenol sowie Phosphat.

Dritter Schritt: Innere Therapie

Die innere Therapie kommt zur äußerlichen Lokalbehandlung hinzu, wenn ein Nagel über 50% bzw. mehr als drei Nägel gleichzeitig betroffen sind. Sie sollte immer auf der Grundlage einer gründlichen Lokalbehandlung erfolgen, da die Heilerfolge mit einer Quote von 40 - 70% bei alleiniger Tablettengabe eher bescheiden sind. Eine äußerliche Behandlung gleicht dieses Defizit aus und ist damit der Grundbaustein jeder Nagelpilz-Therapie. In vielen Fällen ermöglichen erst beide Therapieformen in Kombination einen Heilerfolg. Sind einzelne Nägel gering befallen, ist die Lokalbehandlung meist ausreichend.

Ein Nebeneffekt der inneren Therapie ist die schnelle Heilung der häufig mitbefallenen Haut der Füße, Zwischenräume oder Hände.



Aus: Der Hausarzt, Nr. 16/12

Autor:

Dr. Bolz
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www.praxis-bolz.de